kitzVenture: Das Ausfallsrisiko fährt immer mit

11. Februar 2017, 11:32
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9,75 Prozent bei 36 Monaten Laufzeit bietet kitzVenture. Was mit dem Geld passiert und welches Risiko damit einhergeht

Wien – Es klingt wie ein Traum für Anleger: kein Ausgabeaufschlag, kurze Laufzeit, hohe Rendite. In Zahlen ausgedrückt: 9,75 Prozent Zinsen pro Jahr bei einer Laufzeit von nur 36 Monaten und einer Mindestanlagesumme von 250 Euro. Das ist das Angebot, mit dem das 2015 gegründete Beteiligungsunternehmen kitzVenturederzeit mit einer Werbekampagne an Anleger herantritt. Die Vergangenheit hat gezeigt: je höher die Rendite, desto höher auch das Risiko – vor allem in einer Zeit, die von Niedrigzinsen geprägt ist. Was also steckt hinter kitzVenture?

Das Unternehmen mit Sitz in Kitzbühel stellt Start-ups Beteiligungskapital zur Verfügung. Dieses Geld wird von Anlegern eingesammelt. Seit Ende Juli 2016 und noch bis Ende 2018 will kitzVenture 4,95 Millionen Euro einholen. Anleger können Anteile in Form von Venture-Loans zeichnen. Das sind qualifizierte Nachrangdarlehen – und hier heißt es bereits Obacht. Denn für Inhaber von Nachrangdarlehen heißt es immer: hinten anstellen. Erst wenn im Falle des Falles alle anderen Gläubiger bedient wurden, wird der Rest – so noch vorhanden – an die Nachrangdarlehensinhaber ausgezahlt. Geraten Unternehmen, an denen Anleger beteiligt sind, ins Trudeln, kann die Zinszahlung auch entfallen, das Geld verloren sein.

Qualifizierte Nachrangdarlehen

Im Fall von kitzVenture handelt es sich um sogenannte qualifizierte Nachrangdarlehen. Das heißt, dass ein Unternehmen trotz Fälligkeit kein Geld an Anleger zurückzahlen muss, wenn es dadurch selbst in ernste finanzielle Schwierigkeiten geraten würde. "Der komplette Verlust der Anlage droht also bereits vor der Insolvenz", hält die Finanzmarktaufsicht (FMA) in einer Stellungnahme an help.orf.at fest. Auf ihrer Homepage weist die FMA zudem darauf hin, dass Gelder, die als qualifizierte Nachrangdarlehen entgegengenommen werden, "keine Einlagen im Sinne des Bankwesengesetzes darstellen". Es besteht also keine gesetzliche Einlagensicherung. Das Risiko der Veranlagung liegt damit gänzlich beim Investor.

Ein Blick in den Kapitalmarktprospekt von kitzVenture (ist auf der Homepage abrufbar) zeigt zudem, dass die jährliche Zinszahlung nicht garantiert ist: "Die Zahlung von Zinsen kann nur aus dem frei verfügbaren Jahresüberschuss oder aus dem frei verfügbaren Vermögen der Emittentin sowie nach Befriedigung sämtlicher vorrangiger Gläubiger erfolgen."

Risiko offengelegt

Ein Sprecher von kitzVenture erklärt hierzu, dass man als Unternehmen selbstverständlich alle Risikopunkte auf der Homepage offen ausweist. Bis zum Jahresende 2016 habe man bereits einige Hundert Anleger gezählt, und alle hätten ihre Zinszahlung für 2016 von 9,75 Prozent bereits ausgeschüttet bekommen.

Um diese recht hohe Rendite zu erwirtschaften, hält kitzVenture auch einige Minderheitenbeteiligungen an etablierten Unternehmen wie Zalando, Facebook oder der Post. Das sei aber nur ein kleiner Teil, "der größte Teil der Einnahmen stammt aus der Beteiligungen an Start-ups", so der Sprecher zum Standard. Auf der Homepage weist kitzVenture derzeit allerdings nur eine Start-up-Beteiligung aus – nämlich die 2016 selbstgegründete Markenmacher Media & Venture GmbH, an der kitzVenture 100 Prozent hält. Weitere Start-ups sollen in den kommenden Wochen folgen, heißt es. Damit das Anlegergeld nicht in vagen Firmenideen verpufft, werde nur in jene Unternehmen investiert, die bereits Marktreife haben oder schon Zahlen vorweisen können, erklärt ein Sprecher. Early-Stage-Finanzierungen würden nicht getätigt.

Wer einen Venture-Loan will, kann dies über die Homepage bekunden. "Interessenten bekommen dann eine Mappe mit allen Unterlagen, inklusive Kapitalmarktprospekt und Risikohinweisen, zugeschickt", heißt es. Den Rechtsrahmen für die Veranlagung schafft das Alternativfinanzierungsgesetz. Ein Investor kann also pro Jahr maximal 5000 Euro bei kitzVenture veranlagen. Diese Grenze kann überschritten werden, wenn der Anleger im Monat mehr als durchschnittlich 2500 Euro netto verdient. Dann kann auch das Doppelte des Monatsnettoeinkommens in die Start-up-Förderung investiert werden. (Bettina Pfluger, 9.2.2017)

  • Kitzbühel ist für die riskante Streif-Abfahrt bekannt. Auch abseits  der Piste fährt Risiko mit – etwa bei einer KitzVenture-Beteiligung.
    foto: apa/expa/johann groder

    Kitzbühel ist für die riskante Streif-Abfahrt bekannt. Auch abseits der Piste fährt Risiko mit – etwa bei einer KitzVenture-Beteiligung.

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