Raubtiere durch Straßen stärker bedroht als bisher angenommen

9. Februar 2017, 09:30
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In Europa ist der Iberischer Luchs besonders gefährdet

Leipzig – Straßen, die ihre natürlichen Lebensräume fragmentieren, bedrohen Raubtiere stärker als bisher angenommen. Das hat eine Studie eines Forscherteams aus Deutschland und Portugal ergeben, wie das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig mitteilte. Besonders gefährdet ist demnach der Iberische Luchs. Von ihm gibt es nach Schätzungen nur noch wenige hundert Tiere.

Die Hochrechnung in der aktuellen Studie zeigte, dass die Art, die nur in Spanien und Portugal vorkommt, in 114 Jahren ausgestorben sein wird. Während der Iberische Luchs von der Weltnaturschutzunion als stark gefährdet eingestuft werde, seien dies andere von Straßen bedrohte Tierarten nicht, warnten die Forscher. Der Japanische Dachs und der Japanische Marder zum Beispiel werden der Hochrechnung zufolge aufgrund der Bedrohung durch Straßen bereits in neun beziehungsweise 17 Jahren ausgestorben sein.

Zerschnittene Lebensräume

Für ihre Studie erfassten die Wissenschafter weltweit 232 Raubtierarten und bestimmten, wie stark diese von der Zerschneidung ihrer Lebensräume beeinflusst werden. Von den fünf Prozent beziehungsweise 17 Raubtierarten, die weltweit am stärksten von Straßen gefährdet sind, werden demnach neun von der Weltnaturschutzunion derzeit als "nicht gefährdet" eingestuft.

Die Forscher forderten deshalb, den Schutzstatus dieser Tierarten zu überdenken. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Nordamerika und Asien die Regionen mit den meisten Raubtierarten sind, die durch den Straßenverkehr negativ beeinflusst werden, gefolgt von Südamerika und Europa", erklärte Forscherin Ana Ceia Hasse.

Empfindliche Arten

Überraschenderweise gebe es aber auch in Regionen mit geringer Straßendichte Raubtiere, die durch Straßen bedroht seien. So hätten Straßen in Afrika deutliche Auswirkungen auf das Verbreitungsgebiet des Leoparden. Empfindliche Arten, die regelmäßig weitere Distanzen zurücklegen, könnten schon durch vergleichsweise wenige Straßen behindert werden. Die Studie wurde im Fachblatt "Global Ecology and Biogeography" veröffentlicht. (APA, red, 8.2.2017)

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