Erik Guay krönt sich zum Super-G-Weltmeister

8. Februar 2017, 14:32
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Der kanadische Abfahrtsweltmeister von 2011 triumphiert in St. Moritz – Topfavorit Kjetil Jansrud muss sich mit Silber begnügen, Bronze geht überraschend an Manuel Osborne-Paradis – ÖSV geht leer aus

St. Moritz – Der Seilbahnstadelsprung wurde ihm zum Verhängnis. Erik Guay verschnitt es vor dem Absprung die Ski, er hob ab, drehte sich in der Luft und prallte mit dem Rücken auf die Kandahar-Piste. Es war einer von zahlreichen Stürzen in der ersten Weltcupabfahrt von Garmisch-Partenkirchen vor knapp zwei Wochen. Und es war einer der spektakulären Sorte. Einer, der für ein Raunen sorgte.

Am Mittwoch sorgte Guay wieder für ein Raunen. Mit Startnummer 14 nahm der Mann aus Quebec den WM-Super-G in St. Moritz in Angriff. Er wurde schneller und schneller und schneller. 0,45 Sekunden nahm er dem bis dahin Führenden, dem Norweger Kjetil Jansrud, ab. Der 31-Jährige gewann in dieser Weltcupsaison drei von vier Super-G, war also kein Außenseiter. Genauso wenig wie dessen Landsmann Aleksander Aamodt Kilde, der nur neun Hundertstelsekunden auf Jansrud verlor.

Erik Guay aber war ein äußerst glücklicher Mann. Vor knapp zwei Wochen in Garmisch. Und erst recht am Mittwoch in St. Moritz. Der 35-Jährige blieb bei dem Sturz auf der Kandahar-Piste praktisch unverletzt. Der Rückenairbag hatte wohl Anteil daran. Jetzt ist er Weltmeister – zum zweiten Mal. Vor sechs Jahren holte er schon einmal WM-Gold. In der Abfahrt und – in Garmisch.

"Es ist viel passiert in den letzten sechs Jahren", sagte Guay. "Ich habe mich gut gefühlt während der Fahrt. Als ich die Reaktion des Publikums gehört hatte, wusste ich, dass etwas Spezielles passiert sein musste." Der Sturz in Garmisch sei eine Art "Freak-Unfall" gewesen. Gestürzt war Guay auch davor schon einige Male. Sechsmal musste er wegen Knieverletzungen pausieren. Sein WM-Debüt gab er vor 14 Jahren – in St. Moritz. Schon damals ließ der Speedspezialist sein Talent aufblitzen, in Super-G und Abfahrt belegte er jeweils Platz sechs. Im Weltcup hält er bei fünf Siegen.

Jansrud blieb am Mittwoch Silber. Vor zwei Jahren hatte der Super-G-Olympiasieger bereits WM-Silber in der Kombination gewonnen. "Ich bin glücklich mit meiner Leistung. Man kämpft immer um Gold, aber ich hätte es nicht besser machen können." Aber Guay sei "um einiges besser als alle anderen" gewesen.

Das ÖSV-Team ging am Tag nach Nicole Schmidhofers überraschendem Erfolg leer aus. Vincent Kriechmayr (+0,88 Sekunden) war bester Österreicher. Der 25-jährige WM-Debütant erwischte mit Nummer eins eine gute Fahrt. Eine Weile lag er auf Platz vier. "Grundsätzlich bin ich zufrieden. Aber es zählen nur die ersten drei, ich hoffe, dass noch einer reinfährt, damit ich Fünfter bin. Dann tut's wahrscheinlich nicht so weh", sagte der Oberösterreicher, als das Rennen noch im Gange war.

Am Geburtstag zu Bronze

Manuel Osborne-Paradis tat Kriechmayr und vor allem sich selbst einen großen Gefallen. An seinem 33. Geburtstag sorgte der Kanadier für die Überraschung des Tages. Mit Startnummer 26 verdrängte er Kilde um drei Hundertstelsekunden von Platz drei. Im Weltcup gewann er in dieser Disziplin zwar schon einmal – aber das ist lange her (Lake Louise 2009). In diesem Winter war der 14. Platz von Kitzbühel sein mit Abstand bestes Super-G-Ergebnis. Jetzt hat er seine erste WM-Medaille. "Ich bin ziemlich gut gefahren. Ich habe vor meiner Fahrt mit Erik telefoniert. Er hat mir gesagt, ich soll voll angreifen."

Guay war freilich der Älteste auf dem Ü30-Podest. Der 35-Jährige ist nun auch der älteste Weltmeister aller bisherigen Zeiten. Bis Mittwochmittag war das Hannes Reichelt. Der Salzburger Titelverteidiger (36) wurde diesmal Zehnter, sprach von einer Enttäuschung. In St. Moritz hat er am Samstag in der Abfahrt noch eine Chance. Genau wie Max Franz. Die Sieger von Garmisch bzw. von Gröden erhielten einen Fixstartplatz. Kriechmayr, Romed Baumann und Abfahrtsolympiasieger Matthias Mayer fahren heute im Training um die zwei restlichen Startplätze. Am Mittwoch fuhr Mayer an einem Tor vorbei. "Ich bin zu gerade hineingefahren. Mich zipft es ziemlich an."

Franz patzte bei einem Sprung, wurde 13. Marcel Hirscher war der Super-G auf der Corviglia zu schnell gesteckt. Er riskierte trotzdem. "Aber nix hat es gebracht. Wenigstens kann ich mir nicht vorwerfen, dass ich nicht probiert hätte, schnell zu sein." Hirscher wurde 21. Sein Tag könnte noch kommen. Er bestreitet noch die Kombination, in der er Titelverteidiger ist, den Riesentorlauf und den Slalom. Der Mittwoch aber war der Tag des Erik Guay.

Monegasse Olivier Jenot schwer gestürzt

Einen schweren Sturz verzeichnete der Monegasse Olivier Jenot, der nach einem missglückten Sprung heftig mit dem Rücken aufschlug und mit dem Helikopter in die Klinik Gut geflogen wurde. Er kam aber mit Prellungen glimpflich davon. (Birgit Riezinger, 8.2.2017)

Herren-Super-G der alpinen Ski-WM:

1. Erik Guay (CAN) 1:25,38 Min.
2. Kjetil Jansrud (NOR) 1:25,83 +0,45
3. Manuel Osborne-Paradis (CAN) 1:25,89 +0,51
4. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 1:25,92 +0,54
5. Vincent Kriechmayr (AUT) 1:26,26 +0,88
6. Alexis Pinturault (FRA) 1:26,28 +0,90
7. Andreas Sander (GER) 1:26,35 +0,97
8. Carlo Janka (SUI) 1:26,37 +0,99
9. Dominik Paris (ITA) 1:26,40 +1,02
10. Hannes Reichelt (AUT) 1:26,47 +1,09
11. Peter Fill (ITA) 1:26,49 +1,11
12. Beat Feuz (SUI) 1:26,51 +1,13
13. Max Franz (AUT) 1:26,75 +1,37
14. Travis Ganong (USA) 1:26,96 +1,58
. Blaise Giezendanner (FRA) 1:26,96 +1,58

weiter:
21. Marcel Hirscher (AUT) 1:27,43 +2,05

Ausgeschieden, u.a.:
Matthias Mayer (AUT), Dustin Cook (CAN), Bostjan Kline, Klemen Kosi (beide SLO), Thomas Dressen (GER), Thomas Biesemeyer, Andrew Weibrecht (beide USA)

Überblick:

Ergebnis und Liveticker

  • Erik Guay fand die richtige Mischung und darf sich nun Doppelweltmeister nennen.
    foto: ap/ peter schneider

    Erik Guay fand die richtige Mischung und darf sich nun Doppelweltmeister nennen.

  • Das Podest mit Jansrud, Guay und Osborne-Paradis (v.li).
    foto: reuters/francis bompard

    Das Podest mit Jansrud, Guay und Osborne-Paradis (v.li).

  • Österreichs Bester kam bereits mit Startnummer eins. Vincent Kriechmayr belegte am Ende Rang fünf.
    foto: reuters/dominic ebenbichler

    Österreichs Bester kam bereits mit Startnummer eins. Vincent Kriechmayr belegte am Ende Rang fünf.

  • Olivier Jenot kam nach einem Sprung schwer zu Sturz, der Monegasse wurde mit dem Helikopter in ein Krankenhaus geflogen.
    foto: apa/afp/dimitar dilkoff

    Olivier Jenot kam nach einem Sprung schwer zu Sturz, der Monegasse wurde mit dem Helikopter in ein Krankenhaus geflogen.

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