Australien: Gewaltiger Erdrutsch löste vor 300.000 Jahren 27 Meter hohen Tsunami aus

8. Februar 2017, 20:08
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Beben brachte 32 Kubikkilometer Material in Bewegung, doch das Great Barrier Reef fungierte als wirksame Schutzbarriere

Sydney – Vor rund 300.000 Jahren war die Nordostküste Australiens offenbar Schauplatz einer gewaltigen Flutwelle. Wie australische Wissenschafter nun nachgewiesen haben, war ein enormer Unterwasser-Erdrutsch am Great Barrier Reef Auslöser für den bis zu 27 Meter hohen Tsunami. Ursache für den Abbruch am Kontinentalschelf Australiens war vermutlich ein Seebeben.

Die Hinweise auf die Naturkatastrophe wurden bei der Erstellung eines dreidimensionalen Kartenbilds des Korallenriffs gefunden. Aus dem Kontinentalschelf Australiens sei damals rund 75 Kilometer vor der Küste ein riesiges Stück von 20 Kilometern Länge und acht Kilometern Tiefe herausgebrochen, sagte der Wissenschafter Robin Beaman von der James-Cook-Universität im Bundesstaat Queensland. Mit 32 Kubikkilometern seien die ins Rutschen geratenen Erdmassen rund 30 Mal so groß gewesen wie der Uluru, sagte Beaman mit Blick auf den auch als Ayers Rock bekannten weltberühmten Monolithen in der australischen Wüste.

Die Wissenschafter, die ihren Fund im Fachmagazin "Marine Geology" dokumentierten, untersuchten zur zeitlichen Einordnung der Katastrophe fossile Kaltwasserkorallen aus einer Wassertiefe von 1,17 Kilometern. Die ältesten Korallen waren demnach rund 302.000 Jahre alt.

Great Barrier Reef fungierte als "Wellenbrecher"

Dramatische Auswirkungen hatte der Tsunami nach Ansicht der Forscher vermutlich dennoch nicht: Das Great Barrier Reef habe schon damals wie ein riesiger "Wellenbrecher" gewirkt, sagte Beaman. Es sei eine "sehr wirksame" Schutzbarriere gegen Flutwellen. Die Auswirkungen von Tsunamis, die durch Erdrutsche ausgelöst würden, seien ohnehin örtlich begrenzt. Die Wellen bewegten sich außerdem schnell wieder zurück.

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Erde und ein bedeutendes Touristenziel. Es erstreckt sich mit einer Länge von mehr als 2.300 Kilometern vor der Ostküste Australiens und ist Heimat vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. Das Riff ist aber durch Umweltverschmutzung und den Klimawandel stark bedroht. (APA, red, 8.2.2017)

  • Die Grafik zeigt den betroffenen Küstenabschnitt vor der ostaustralischen Stadt Innisfail (Queensland). Der gewaltige sogenannte Gloria Knolls Slide brachte vor rund 300.000 Material im Umfang von 32 Kubikkilometern in Bewegung.  Die dadurch ausgelöste Flutwelle erreiche vermutlich eine Höhe von 27 Metern.
    illustr.: www.deepreef.org

    Die Grafik zeigt den betroffenen Küstenabschnitt vor der ostaustralischen Stadt Innisfail (Queensland). Der gewaltige sogenannte Gloria Knolls Slide brachte vor rund 300.000 Material im Umfang von 32 Kubikkilometern in Bewegung. Die dadurch ausgelöste Flutwelle erreiche vermutlich eine Höhe von 27 Metern.

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