Pro Bauchmuskeln: Ein Haltungsshirt tragen

12. Februar 2017, 14:00
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Es gibt Kleidung, die zur Aufrichtung animiert und so im Sitzen die Muskeln stimuliert – ein Erfahrungsbericht am eigenen Leib

Wir Büroarbeiter und Büroarbeiterinnen haben ein faules Leben, denn wir sitzen den ganzen Tag. Während unsere Gehirne auf Hochtouren laufen, verkümmern unsere Bauchmuskeln. Ob die aktuelle Haltung korrekt ist, lässt sich ganz einfach ausprobieren. "Ziehen Sie den Nabel zur Wirbelsäule und denken Sie, der Kopf ist die Verlängerung der Wirbelsäule", hat mir eine Physiotherapeutin unlängst einmal gesagt.

Die Folge von lascher Bauch- und Rückenmuskulatur ist Kreuzweh. Und das ist für viele ein Problem. Die effizienteste Gegenmaßnahme ist immer noch Sport. Aber viele meiner Kollegen sind abends zu müde oder haben andere Pläne, als im Fitnessstudio abzuschwitzen. Da klingt es doch gut, dass man nun mit einem T-Shirt der Firma Anodyne auch tagsüber am Schreibtisch seinem Körper etwas Gutes tun kann. Ein T-Shirt als Trainingsgerät sozusagen – das habe ich ausprobiert.

Wie ein Korsett

Es ist weiß, es ist kurzärmlig und sehr, sehr eng. Das Shirt anzuziehen ist schon der erste kleine Kraftakt. Doch das ist zu schaffen. Überall dort, wo die tragenden Muskeln sind, hat es aufgeraute Stoffbahnen, die mehr oder weniger den Muskelsträngen folgen und gegen die Haut gepresst werden. Und ja, das spürt man tatsächlich ziemlich stark. Die Haut hat Sensoren, die dem Hirn subtil und kontinuierlich melden, dass man den Bauch einziehen soll. Wer sich gerade hält, fühlt sich weniger wie eine Wurst in der Haut.

Ich probiere das Haltungsshirt im Büro aus: Mehrmals am Tag werde ich daran erinnert, gerade zu sitzen, weil es sich sonst sehr unangenehm anfühlt. Das funktioniert auch im Fitnessstudio beim Radeln zum Beispiel. Durch das T-Shirt habe ich erstmals gemerkt, wie schnell ich einen krummen Rücken mache. Die Haut meldet es, und ich bin fasziniert.

Allerdings: Angenehm fühlt sich dieses Korsett wirklich nicht an. Für alle, die gern bequeme Kleidung tragen, ist diese Wäsche nicht gemacht. Zudem ist das "Alignment-Shirt" auch noch aus Kunstfaser und braucht beim Waschen Extrabehandlung, sonst wird es schnell gräulich.

Design, geht so

Ein zweites Problem: Ich gefalle mir im Haltungsshirt nicht besonders. Das spielt im Winter im Büro keine Rolle, weil ich es sowieso wie eine Unterwäsche trage. Im Fitnessstudio ist das aber nicht der Fall, dort mache ich keine gute Figur. Vor allem: Das weiße Shirt ist auch noch ziemlich durchsichtig, ich wage nicht, etwas darunter anzuziehen, um die Dynamik der eingebauten Kinesiotape-Wirkung nicht zu stören. Fazit: Mein Leidensdruck ist wahrscheinlich nicht groß genug, um die Corsage auszuhalten, hätte ich Kreuzweh, sähe die Sache anders aus. (Karin Pollack, 12.2.2017)

  • Links: So aufrecht sollte man sich halten. Rechts: Und so sieht die Realität aus.
    foto: istockphoto

    Links: So aufrecht sollte man sich halten. Rechts: Und so sieht die Realität aus.

  • Karin Pollack muss sich mit Gesundheit beschäftigen. Das bringt ihr Beruf mit sich. Es gibt viele Versprechungen. Diesmal hat sie getestet.
    foto: cremer/rawicka/istockphoto

    Karin Pollack muss sich mit Gesundheit beschäftigen. Das bringt ihr Beruf mit sich. Es gibt viele Versprechungen. Diesmal hat sie getestet.

  • Die Zukunft von Büroarbeiterinnen: Das Shirt übt Druck aus und erinnert an die aufrechte Haltung.
    foto: anodyne

    Die Zukunft von Büroarbeiterinnen: Das Shirt übt Druck aus und erinnert an die aufrechte Haltung.

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