Warnstreik legt Berliner Airports lahm

8. Februar 2017, 09:10
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Gewerkschaft fordert höhere Löhne

Berlin – Ein Warnstreik des Bodenpersonals hat am Mittwoch zu erheblichen Einschränkungen an den Berliner Flughäfen geführt. In Tegel fielen 115 Flüge aus, in Schönefeld weitere 22, sagte ein Sprecher der Berliner Flughäfen. Die Lufthansa strich allein 13 Flüge auf den Verbindungen nach Frankfurt und München, Easyjet sprach von zwölf ausgefallenen Flügen, Eurowings von insgesamt 28.

In Stuttgart und Hamburg wurde ebenfalls gestreikt. Auch dort kommt es nach Gewerkschaftsangaben zu starken Beeinträchtigungen, von Verspätungen bis hin zu abgesagten Flügen.

Die Warnstreiks hatten auf den Flughafen Wien nur sehr geringe Auswirkungen. Drei Berlin-Flüge mussten gestrichen werden, einer erfolgte verspätet. Insgesamt gab es heute 17 Verbindungen Wien-Berlin bzw. umgekehrt. Die Streiks in Stuttgart und Hamburg hatten bisher keine Auswirkungen. Für beide Destinationen gibt es jeweils zwölf Flugverbindungen, so Flughafen-Sprecher Peter Kleemann zur APA.

Stundenlohnerhöhung gefordert

Laut Gewerkschaft Verdi folgten die meisten der 2.000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste in Berlin dem Aufruf, zwischen 5.00 Uhr und 11.00 Uhr die Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft will mit den Aktionen den Druck auf die Arbeitgeber im Tarifstreit erhöhen. Sie fordert für die Beschäftigten – die etwa in der Be- und Entladung, dem Check-in oder dem Einwinken von Flugzeugen arbeiten – eine Erhöhung der Stundenlöhne von derzeit etwa elf auf zwölf Euro.

Zudem sollen die Mitarbeiter bessere Aufstiegsmöglichkeiten erhalten. "Die Beschäftigten in den Bodenverkehrsdiensten leisten täglich harte und sicherheitsrelevante Arbeit im Schichtdienst, in einem risikoreichen Umfeld", sagte Verdi-Bundesvorstand Christine Behle. "Dennoch wird diese Arbeit nicht angemessen entlohnt, hier muss sehr stark nachgebessert werden."

Der Flughafenverband kritisierte die Warnstreiks. "Zehntausende Passagiere sind die Leidtragenden", sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Unterschiedliche Tarifvorstellungen müssten am Verhandlungstisch ausgetragen werden, nicht an den Flughäfen.

Niki-Mitarbeiter können durchatmen

Die Mitarbeiter der österreichischen Noch-Air-Berlin-Tochter Niki Luftfahrt ("flyniki") können indes durchatmen. Nachdem ein Teil der Flugzeuge nach Deutschland verlagert wird und die Mitarbeiter einen massiven Arbeitsplatzabbau befürchtet haben, gab es heute eine Jobgarantie vom Management, wie die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) am Mittwoch mitteilte.

Allerdings müssen die Beschäftigten teilweise nach Deutschland pendeln. "Betriebsrat und Geschäftsführung werden (...) ein gemeinsames Entsende-Modell für die Einsätze in Deutschland erarbeiten", so Niki-Betriebsratsvorsitzender Stefan Tankovits.

Vereinbart wurde des weiteren, dass keine Personalmaßnahmen ohne Mitsprache des Betriebsrats gesetzt werden. Neueinstellungen werden nur über Niki in Österreich erfolgen. "Besonders wertvoll für die Kolleginnen und Kollegen ist außerdem das Commitment der Geschäftsführung, eine den Mitarbeitern erträgliche Regelung zu erstellen, was die Dienstpläne und Umlaufplanungen betrifft", betonte Tankovits. (APA/Reuters, 2.8.2016)

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