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Kolumne7. Februar 2017, 17:39
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Die kritischen Qualitätsmedien sollten ihr bestes Rüstzeug anlegen und sich selbst motivieren

Die New York Times hat seit der Wahl von Donald Trump 132.000 neue Abonnenten dazugewonnen. Das Wall Street Journal verzeichnete eine 300-prozentige Steigerung von Neu-Abos. Andere seriöse Medien verzeichnen ebenfalls Trump-generierte Zuwächse.

Und dies im Zeitalter von Fake-News, von rechten Verschwörungsseiten wie "InfoWars" (auf die sich Trump gerne bezieht) und der wütenden Middle-of-the-Night-Tweets von Trump selbst, der die NYT immer nur als "failing NYT" bezeichnete und forderte, dass irgendwer (vielleicht ein russischer Oligarch?) sie kaufen und entweder auf Kurs bringen oder einstellen solle.

So weit sind wir: Ein amerikanischer Präsident fordert öffentlich zur Vernichtung eines der wichtigsten Qualitätsmedien der Welt auf. Trump ist eine spezielle Persönlichkeit – er kann nicht aufhören, mit der Lüge von seiner Riesenmenge bei der Inauguration und von seinem Sieg im "popular vote" zu prahlen.

Die Figur Trump sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er und seine Mannschaft aus superreichen Erzreaktionären und wild entschlossenen Demokratieverächtern eine andere Welt schaffen wollen. Eine, in der es keinen demokratischen Widerspruch gibt. In Europa winken Marine Le Pen, Putin und andere.

Angesichts dieser existenziellen Herausforderung der liberalen Demokratie sollten die kritischen Qualitätsmedien ihr bestes Rüstzeug anlegen und sich selbst motivieren. Das plötzlich erwachte Interesse einer größeren qualifizierten Öffentlichkeit muss einerseits genutzt und andererseits verstärkt werden. Viele Menschen in Positionen, die Qualifikation erfordern, reden sich (oft aus argumentierbaren Gründen) die diversen politischen Extremisten gerne schön. "Ich habe geglaubt, dass Trump nach seiner Inauguration staatsmännischer wird", sagte etwa Voestalpine-Chef Wolfgang Eder, der gerade eine große Investition in den USA tätigt.

Wurde er nicht und wird er nicht. Wer die Qualitätsmedien, nicht nur die amerikanischen, intensiv beobachtete, konnte nur zu diesem Schluss kommen. Gegen das Chaos, das die Rechtspopulisten und illiberalen Demokraten anrichten, muss man Koalitionen der Vernunft bilden. Dazu gehören aufgeklärte Konservative ebenso wie Liberale und Sozialdemokraten. Dazu gehören auch entschlossene, unerschrockene Qualitätsmedien. Die Neigung mancher (österreichischer) Politiker, sich auf inseratengefütterte Krawallmedien zu verlassen, ist kurzsichtig und selbstbeschädigend. Wenn die autoritären Rechtspopulisten Oberwasser bekommen, werden sie brav mitschwimmen (wenn sie es nicht ohnehin schon tun).

Qualitätsmedien, die über funktionierende Onlineauftritte, wie etwa der STANDARD, die auch noch in Schichten jenseits des Stammpublikums vordringen, verfügen, erfüllen eine Leitfunktion. Sie sind Bullshit-Warngeräte und Lieferanten von Inhalten, die wirklich Bedeutung und Substanz haben. "Read something that means something" ist der Slogan des Qualitätsmagazins The New Yorker. (Hans Rauscher, 7.2.2017)

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