Julian Eberhard, spätzündender Loipenturbo

8. Februar 2017, 08:45
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Trotz Schwächen am Schießstand ist der Salzburger erster Medaillenkandidat für Österreich bei der Biathlon-WM in Hochfilzen: "Ich weiß, was ich tun muss"

Hochfilzen – Die Biathlon-WM beginnt mit einer Zurückweisung. Streckt man Julian Eberhard die Hand zum Gruß hin, verharrt der Arm sekundenlang ohne Berührung in der Luft. Anfängerfehler. Eberhard schüttelt wie all seine Teamkollegen keine fremden Hände. Das ist aber nicht unhöflich. Der Mann will nicht krank werden. Nichts fürchten Biathleten mehr als die Verkühlung so kurz vor Beginn der Wettkämpfe.

Mit einem Feuerwerk werden die 49. Biathlon-Weltmeisterschaften in Hochfilzen heute eröffnet (19.30 Uhr). Am Donnerstag startet als erster Bewerb die Mixed-Staffel mit Dominik Landertinger, Simon Eder, Lisa Hauser und Fabienne Hartweger. Nicht dabei ist Julian Eberhard. Er gilt nach einem Sprintsieg in Oberhof und einem zweiten Platz in Ruhpolding im Weltcup Anfang Jänner als Österreichs erster Medaillenanwärter im Einzel.

Achillesferse

"Ich weiß, was ich tun muss, um ganz oben zu stehen. Nicht eine Medaille als Ziel auszurufen, wäre verkehrt. Die Konkurrenz ist aber sehr dicht", sagt der 30-jährige Salzburger im Gespräch mit dem Standard. Für ÖSV-Trainer Ludwig Gredler ist Eberhard vielleicht der "stärkste Läufer überhaupt im Feld", das belegen sechs Laufbestzeiten in dieser Saison. "Er hat die Latte höher gelegt als Landertinger", sagt Gredler. Eberhards Achillesferse ist das Schießen. Seine Trefferquote von 74 Prozent in diesem Winter ist bestenfalls Durchschnitt. Seine Teamkollegen erreichen Quoten zwischen 80 und 85 Prozent. Weltcup-Dominator Martin Fourcade ist fast unfehlbar. Der Franzose trifft 91 Prozent aller Scheiben. "Es gab in der Vergangenheit viele Situationen, wo ich den Sieg am Abzug hatte und gescheitert bin. Ich war der Herausforderung nicht gewachsen."

Eberhard ist kein blutiger Anfänger mehr, läuft seit elf Jahren im Biathlonzirkus mit. Erfolge stellten sich erst spät ein. Seinen ersten Weltcupsieg holte er im März 2016 im russischen Chanty-Mansijsk. Verspürte er davor Gedanken ans Aufhören? "Selbstzweifel waren da. Die hat aber jeder Mensch, sie sind sehr wichtig für eine positive Entwicklung", sagt Eberhard.

Auch plagten den Salzburger nie körperliche Beschwerden. "Bei den Laufbestzeiten war ich im Weltcup immer vorn dabei. Dadurch waren für mich schlechte Ergebnisse durch Fehler beim Schießen auch leichter zu ertragen als für jemanden, der körperlich nicht einmal an das Weltklasseniveau herankommt." Ein Vorteil für Eberhard im Sprint (10 km): Der Schießstand wird nur zwei- anstatt der üblichen viermal angesteuert. Ein Nachteil für Eberhard in den anderen Disziplinen: die fehlende Konstanz. Bezeichnend war, dass Eberhard nur einen Tag nach seinem Sprintsieg in Oberhof in der Verfolgung (12,5 km) gleich achtmal in die Strafrunde musste.

Der Saalfeldener ist mit 1,96 Meter ein Riese unter den Biathleten. Ein Nachteil im Rennen? "Nein, ich fühle mich beim Laufen sehr wohl. Für die Schießhaltung und die Stabilität wären ein paar Zentimeter weniger aber sicher förderlich." Auf der Loipe kann Eberhard dafür richtig Stoff geben. Die Strecke in Hochfilzen hat keine Schlüsselstellen, aber die Summe der Anstiege hat es in sich. "Konstant Tempo halten, das liegt mir aber eh am meisten."

Reizthema

Delikat bleibt das Thema Doping. Just am Tag der Eröffnung der WM berät der Weltverband (IBU) in Fieberbrunn über Sanktionen gegen Russland. Behandelt wird auch ein unterschriebener Brief von 170 Biathleten, der strengere Maßnahmen im Antidoping-Kampf einfordert. Die Athleten sprechen sich etwa für die Verdoppelung der Standarddopingsperren auf acht Jahre aus. Eine Umsetzung dieser Forderung ist aber unrealistisch, weil sie nicht mit dem Wada-Code vereinbar ist. Die Regelsperre der Welt-Anti-Doping-Agentur beträgt vier Jahre. Eberhard hat den Brief an die IBU "gerne" unterzeichnet, hofft auf Antworten. "Biathlon ist einfach so schön, man darf sich diesen Sport nicht von Leuten zunichtemachen lassen, die nicht mit fairen Mitteln kämpfen."

Im Zivilberuf ist Eberhard Polizist: "Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker." (Florian Vetter aus Hochfilzen, 8.2. 2017)

  • Wird Biathlet Julian Eberhard auf der Loipe von der Leine gelassen, kann eine Medaille für Österreich herausschauen.
    foto: apa/afp/stache

    Wird Biathlet Julian Eberhard auf der Loipe von der Leine gelassen, kann eine Medaille für Österreich herausschauen.

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