Mehr Arbeiter sollen Berliner Flughafen retten

7. Februar 2017, 16:24
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Die Pannenserie reißt nicht ab: Ausstatter Bosch muss nicht schließende Türen reparieren – Wechsel im Aufsichtsrat

Neubesetzung im Aufsichtsrat – dieser Tagesordnungspunkt beschäftigte am Dienstag das Kontrollgremium des Berliner Pannenflughafens BER. Die Personalien allerdings waren schnell erledigt, schließlich stand schon lang fest, wer in den Aufsichtsrat einziehen soll: der neue Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der neue Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne).

Sehr viel mehr Gesprächsbedarf gab es bei dieser Sondersitzung wieder einmal bezüglich der vielen Pannen am Flughafen. Man berät nun über Türen und deren Nichtfunktionieren. Konkret: Rund 800 Türen lassen sich nicht richtig elektronisch steuern. Im Fall eines Brandes würden sie nicht schließen. Auch die Sprinkleranlage arbeitet nicht korrekt. Das bedeutet: 2017 wird es nichts mehr mit der Eröffnung. Dabei hatte Bürgermeister Michael Müller (SPD) noch im Wahlkampf vor der Landtagswahl im September erklärt, im zweiten Halbjahr 2017 werde man wohl vom BER abheben und dort auch landen können.

Müller ist Chef des Aufsichtsrates, und die neue Verzögerung hat auch ihn erbost, er zitierte am Montag schon die Verantwortlichen des Gebäudetechnikausstatters Bosch ins Rote Rathaus nach Berlin. Bosch versprach daraufhin, mehr Arbeiter auf den "Fluchhafen" zu schicken, will aber die Kritik der schlampigen Arbeit nicht auf sich sitzen lassen: "Wenn von uns verantwortete Gewerke nicht planmäßig fertiggestellt werden konnten, lag dies an fehlenden baulichen Vorleistungen, fehlenden Planungsunterlagen oder kurzfristigen Änderungen von Vorgaben."

An BER-Chef Karsten Mühlenfeld hat Bürgermeister Müller auch eine Forderung. Er und die Flughafengesellschaft sollen im Frühjahr "einen auf Herz und Nieren" geprüften Zeitplan für die Eröffnung des BER vorlegen.

Eröffnung 2018 umstritten

Offiziell will sich noch keiner festlegen, aber die Eröffnung soll jetzt 2018 erfolgen. Zur Erinnerung: Eigentlich war sie für Herbst 2011 vorgesehen. Allerdings wird auch eine Eröffnung 2018 angezweifelt. Der Bund fordert, dass der Starttermin mindestens 13 Monate zuvor verkündet wird, damit die Fluglinien planen können.

Das könnte knapp werden, denn der BER ist erst zu 80 Prozent fertig. Seit Dezember 2016 gab es überhaupt keine Fortschritte, was Mühlenfeld selbst "ernüchternd" findet.

Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa, der bis 1999 an den BER-Planungen beteiligt war, meint, der Baufortschritt müsste größer sein, um 2018 halten zu können: "Ich habe schon 2015 gesagt, dass eine Inbetriebnahme bei sorgfältiger Arbeit im Sommer 2019 möglich wäre." Es könnte nun aber auch 2020 oder 2021 werden. (Birgit Baumann aus Berlin, 7.2.2017)

Kommentar von Birgit Baumann: Wenigstens ehrlich sein

  • Es gibt immer noch sehr viel zu tun auf der Großbaustelle am BER. Der Flughafen ist erst zu 80 Prozent fertiggestellt.
    foto: apa/berthold stadler

    Es gibt immer noch sehr viel zu tun auf der Großbaustelle am BER. Der Flughafen ist erst zu 80 Prozent fertiggestellt.

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