"Elsewhere is Nowhere": Schwarze Wand, schillernde Seifenblase

7. Februar 2017, 15:43
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Das Thema Flucht unabhängig vom konkreten politischen Geschehen beleuchten, das möchte die Ausstellung in der Kunsthalle Exnergasse

Wien – Auf eine wundersame Verwandlung versteht sich der Künstler Tsui Kuang-Yu: Er macht aus Auspuffgasen Seifenblasen. Eine entsprechende selbstgebaute Maschine auf den Rücken geschnallt, begibt er sich ins städtische Verkehrstreiben, um den Schlauch des Geräts an die Auspuffe stehender Busse zu stecken. Schon verwandelt sich das Grausliche vorübergehend ins Schöne.

Rubbing the City: Beautiful Dirty Bubble (2012) nannte Kuang-Yu diese symbolische "Reinigungsaktion". Ein Video davon ist aktuell in der Ausstellung Elsewhere is Nowhere der Kunsthalle Exnergasse zu sehen, einer Schau, die sich des Themas Flucht unabhängig vom konkreten politischen Geschehen annehmen will.

Die Idee ist, das "mediale Image" von Flucht zu brechen und allgemeingültige Aspekte daran – wie "Angst, Gewalt, Ungewissheit, Paradies, Heimat" – zu untersuchen. Kuang-Yus Seifenblasenaktion könnte man demgemäß unter dem Gesichtspunkt der Hoffnung auf eine bessere Welt betrachten.

Sieben, wenn auch nicht umwerfende, so doch solide Positionen umfasst die Schau. Kuratiert wurde sie von Ya-Wen Fu und Sven Bergelt, die auch eigene Arbeiten mitaufnahmen: Space-in-Between (2014) heißt eine Installation Fus aus miteinander verbundenen Stahlfedern, Seilen, Akrylglasringen. Sie ist Relikt einer Performance, für die sich die Künstlerin in dieses Geflecht einhängte, um gleichsam "gefesselt" darin zu agieren – und so das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu reflektieren.

Die Frage der Grenze steht indes in drei minimalistischen Videos Bergelts im Mittelpunkt, etwa in The Scene Behind, in dem man den Künstler sich selbst einmauern sieht. Eine schöne Resonanz ergibt sich hier zu Nicolás Rupcichs Video EDF (2013), das ursprünglich auf den Kampf Natur versus Technologie gemünzt war, nun jedoch an diverse politische Mauerbauereien denken lässt: Durch Aufnahmen chilenischer Landschaften schiebt sich eine computergenerierte, schwarze, alles verschluckende Wand. (Roman Gerold, 7.2.2017)

Kunsthalle Exnergasse / Wuk, Währinger Str. 59, 1090 Wien. Bis 4.3.

  • Eine computergenerierte schwarze "Mauer" verschluckt die Landschaft: "EDF", kurz für "Error de Formato", nannte Nicolás Rupcich dieses dystopische Video.
    foto: rupcich

    Eine computergenerierte schwarze "Mauer" verschluckt die Landschaft: "EDF", kurz für "Error de Formato", nannte Nicolás Rupcich dieses dystopische Video.


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