Komponierte Erlösung

    7. Februar 2017, 15:28
    3 Postings

    Mozarteumorchester unter Ivor Bolton in Salzburg

    Salzburg – Es gibt Vereinfachungen, die der Musik so gar nicht gerecht werden: Mozart ist genauso wenig "klassisch heiter" wie Schubert "wienerisch gemütlich". Wenn aber schon ein klassisch heiterer Mozart zu nennen wäre, dann wohl das Divertimento D-Dur (für zwei Violinen, Viola, Bass Oboe und zwei Hörner KV 251). Auch in Orchesterbesetzung mutete das 1776 in Salzburg geschriebene Nannerl Septett bei der nun finalisierten Mozartwoche (die in Summe auf eine Auslastung von nahezu 90 Prozent kam) an wie ein Frühlingstag.

    Es spielte das Mozarteumorchester Salzburg unter seinem langjährigen Chefdirigenten Ivor Bolton: Und es tat dies transparent, federnd, dabei etwa in den Menuetten immer gut geerdet und sprungbereit. Angeführt und immer neu angefacht wurde der Reigen von der Oboe, die mit den Hornisten eine virtuose Bläser-Concertante zu bestreiten schien.

    Der Salzburger Bachchor, einstudiert von Alois Glassner, hob mit Arvor Pärts Magnificat für einige kostbare Minuten die Zeit in schillernder Sphärenharmonie auf, um sich dann mit mitreißender Energie in die Schlacht zu stürzen: Ein einziger Aufschrei in tiefster Not war der Einstieg ins Kyrie der Missa in angustiis d-Moll von Joseph Haydn.

    Miah Persson, Elisabeth Kulmann, Michael Schade und Florian Boesch waren das streitbare Solistenquartett (dieser "Nelsonmesse") in einer ebenso klangrednerischen wie farbkräftigen Interpretation. In Erinnerung bleiben die dramatisch herausgearbeiteten Kontraste quasi zwischen Menschenschrei und Engelssang. Da wurde, etwa in einer Wiederholung im Crucfixus, sogar Pontius Pilatus in die Versöhnung miteinbezogen – nachdem zuvor Pauke und Trompeten noch pure Kriegslust evoziert hatten.

    Die Friedenshoffnung

    Dramatisch war im gar nicht lieblichen Benedictus das Scheitern dieser Versöhnungsversuche, die immer wieder zurückgetrieben wurden. Der perfekt einstudierte Salzburger Bachchor gestaltete seinen Part homogen und geradezu liedhaft klar. Das Solistenquartett, durchaus werkgemäß auf der eher martialischen Seite, betörte in diesem Benedictus mit berechtigter Friedenshoffnung, etwa dem Herausblühen der Melodien aus den harmonischen Reibungen. Minutenlanger Jubel. (Heidemarie Klabacher, 7.2.2017)

    Share if you care.