Grüne kritisieren Blutspendeverbot für homosexuelle Männer

7. Februar 2017, 16:55
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Rotes Kreuz schließt schwule und bisexuelle Spender nach wie vor aus. Ewa Dziedzic, Bundesrätin und LGBTI-Sprecherin der Grünen, ortet Diskriminierung

Wien – Vor jeder Blutspende beim Roten Kreuz müssen potenzielle SpenderInnen einen Fragebogen beantworten. Eine der darin gestellten Fragen lautet: "Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann?" Wird diese Frage positiv beantwortet, wird der betroffene Mann von einer Blutspende ausgeschlossen.

Die Grünen kritisieren die vom Roten Kreuz definierten Spenderrichtlinien als diskriminierend und sehen darin eine "Stigmatisierung von schwulen und bisexuellen Männern in der Gesellschaft". Ewa Dziedzic, Bundesrätin und LGBTI-Sprecherin der Grünen: "Noch immer werden Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr hatten, vom Blutspenden ausgeschlossen. Während in ganz Österreich die Lagerbestände auf ein kritisches Niveau gesunken sind und das Rote Kreuz zum Spenden aufruft, werden gleichzeitig potenzielle Spender aufgrund der Zuordnung zu einer Risikogruppe per se ausgeschlossen."

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In einem ZIB-1-Beitrag widmete sich der ORF dem Blutspendeverbot für homosexuelle Männer

Sexuelle Orientierung als Ausschlussgrund

In einer parlamentarischen Anfrage an die Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) fordert die grüne Bundesrätin Aufklärung über die fachlichen Gründe, die den im Fragebogen erhobenen "Generalverdacht gegen schwule und bisexuelle Männer beim Blut- und Plasmaspenden" rechtfertigen würden.

Darüber hinaus verweist Dziedzic auf unterschiedliche europäische Standards. In Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien würden homo-, bi- und heterosexuelle Männer vollständig gleich behandelt werden – statt der sexuellen Orientierung sei dort das individuelle Risikoverhalten der Spender von Relevanz. Sie gibt zu bedenken, dass Österreich zudem Blutkonserven aus jenen Ländern zukaufen würde, in denen "diese Form der Diskriminierung längst Geschichte" sei.

Ausschluss nicht gesetzlich vorgesehen

Die Gesundheitsministerin hat in ihrem Haus indes eine Arbeitsgruppe mit einer grundsätzlichen Evaluierung des Themenkomplexes beauftragt. Die Gestaltung des Fragebogens falle jedenfalls in die Kompetenz der jeweiligen Blutspendeeinrichtung, heißt es in ihrer Antwort auf die Anfrage der Grünen. "In Österreich sieht jedoch die Rechtslage keinen generellen Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), oder einer gesamten Gruppe von Personen vor", sagt Oberhauser. (chrit, 7.2.2017)

  • Ewa Dziedzic, Bundesrätin und LGBTI-Sprecherin der Grünen, fordert eine Aufhebung des Blutspendeverbots für Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben.
    foto: matthias cremer

    Ewa Dziedzic, Bundesrätin und LGBTI-Sprecherin der Grünen, fordert eine Aufhebung des Blutspendeverbots für Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben.

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