Schnee und Glatteis: Leitfaden für sicheres Stürzen

7. Februar 2017, 10:45
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Schneematsch oder Glatteis erhöhen das Risiko für Knochenbrüche. Der Orthopäde Manfred Kuschnig erklärt, wie man "richtig" fällt

Klagenfurt – "Richtiges Stürzen kann man trainieren. Ich empfehle das ab dem Kindergartenalter. Denn ein gutes Sturztraining schützt in erster Linie den Kopf, aber auch die Extremitäten", sagt der Klagenfurter Orthopäde Manfred Kuschnig. Das heißt konkret: Arme und Hände sollten möglichst zuerst auf den Boden treffen. Dadurch wird dem Aufprall die Wucht genommen, das Risiko von Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule sinkt.

Was noch wichtig ist: Ellenbogen und Hände nicht anwinkeln – das senkt ebenfalls das Verletzungsrisiko. Zusätzliche Sicherheit gibt es, die Hände nicht in den Taschen verschwinden zu lassen: "Stürzt man tatsächlich, braucht man diese nämlich, um sich abzustützen. Ein Großteil der Gangsicherheit hängt aber auch von der persönlichen Verfassung, dem Gleichgewichtssinn, der muskulären Fitness und auch vom Sehvermögen ab", so Kuschnig.

Stürze sind besonders für betagte Menschen ein hohes Risiko, ergänzt der Orthopäde. "Die Knochen älterer Menschen sind oft ohnehin brüchgiger und je älter man ist, umso länger dauert es, bis Brüche wieder verheilt sind."

Zeit und Schuhe

Besonders wichtig ist deshalb auch das richtige Schuhwerk. Hohe Absätze und Schuhe mit glatten Sohlen sind nichts für rutschige Wintertage. Flache Schuhe mit Profilsohlen eignen sich für den Winter am besten, betont Kuschnig.

Der Grip kann zusätzlich durch Spikes auf den Schuhen erhöht werden. Die lassen sich bei Bedarf schnell anlegen und geben rutschigen Sohlen zusätzliches Profil. Auch für Gehstöcke und Krücken gibt es spezielle spikeartige Vorrichtungen, wie Dornen und kleine Eispickel, die am Eis und Schnee Stabilität geben. Vorsicht ist bei der Verwendung von Rollatoren angebracht. "Die sind bei Schnee und Eis eher ungeeignet", so der Experte.

Was im Winter noch zählt: Sich Zeit lassen. Hektik und Zeitdruck erhöhen die Sturzgefahr, "deswegen sollte man allgemein mehr Zeit einplanen, um Wege zurückzulegen. Sinnvoll ist es auch, möglichst kurze Wege zu wählen und im Hellen unterwegs zu sein. Bei schwindendem Licht übersieht man gefährliche Stellen leichter", erklärt Kuschnig. Was der Orthopäde noch empfiehlt: Nahe an Wänden, Zäunen oder Geländern zu bleiben, um sich im Notfall daran festhalten zu können.

Notfalls zuhause bleiben

"Ein Oberschenkelhalsbruch führt fast immer zu einer Operation mit entsprechenden Risiken. Die Mortalität nach einer Schenkelhalsfraktur beträgt bei über 75 jährigen je nach zusätzlichen Erkrankungen 15 bis 30 Prozent", warnt der Mediziner.

Besonders für ältere Menschen ist es im Zweifelsfall besser, bei Glätte zuhause zu bleiben. "Muss man doch dringend etwas erledigen, ist es ratsamer, Verwandte darum zu bitten oder sich zumindest fahren zu lassen. Ausnahmsweise ein Taxi oder auch einen Lieferservice in Anspruch zu nehmen, wenn die Familie nicht verfügbar ist, ist auf jeden Fall die bessere Alternative zu einem Sturz", resümiert Manfred Kuschnig. (red, 7.2.2017)

  • Je älter man wird, desto höher ist auch das Sturzrisiko. Im Zweifelsfall sollten betagte Menschen bei Glätte daheim bleiben, empfiehlt Orthopäde Manfred Kuschnig.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Je älter man wird, desto höher ist auch das Sturzrisiko. Im Zweifelsfall sollten betagte Menschen bei Glätte daheim bleiben, empfiehlt Orthopäde Manfred Kuschnig.

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