Ein Hormon steuert den Aufbruch von Zugvögeln

11. Februar 2017, 10:00
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Botenstoff "Ghrelin" signalisiert bei Zwischenstopps volle Fettspeicher und löst "Zugunruhe" aus

Wien – Auf ihren weiten Reisen pausieren viele kleinen Zugvögel, um sich auszuruhen und ihren Hunger zu stillen. Ein auch beim Menschen bekanntes Hormon namens "Ghrelin" beeinflusst, wie rasch sie weiterfliegen, fanden Wiener Forscher mit Kollegen bei einer Singvogel-Art heraus. Das Hormon dürfte den Gartengrasmücken signalisieren, wann ihre Fettspeicher wieder voll sind, berichten die Wissenschafter im Fachmagazin "Pnas".

Leonida Fusani und Kollegen von der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Universität Wien und dem Max-Plank-Institut für Ornithologie in Seewiesen fingen für ihre Studie Gartengrasmücken bei ihrem Zwischenstopp auf der italienischen Mittelmeerinsel Ponza ein, um deren Ghrelin-Spiegel zu messen. Außerdem injizierten sie einigen Vögeln das Hormon, und beobachteten, ob sich dadurch das Verhalten änderte.

Appetithemmer

Die Untersuchungen zeigten, dass der Ghrelin-Gehalt im Blutkreislauf "fetter" Gartengrasmücken höher war als jener ihrer dünneren Artgenossen. "Die Konzentration des Hormons stimmte genau mit dem Body-Mass-Index der Vögel überein", sagte Erstautor Wolfgang Goymann. Als sich die Tiere beim Rasten gesättigt hatten, stieg der Ghrelin-Spiegel. Daran dürften die Vögel auch erkennen, dass es Zeit für den Weiterflug ist: Als die Wissenschafter den Grasmücken nämlich das Hormon injizierten, verloren sie schnell den Appetit, wurden rastlos und entwickelten eine erhöhte "Zugunruhe".

Die Ergebnisse des Forschungsteams würden eindeutig zeigen, dass ein hormoneller Auslöser für den Weiterflug der Zugvögel verantwortlich ist. "Damit konnte ein wesentlicher Faktor des Zugverhaltens, neben den natürlichen Einflüssen wie dem Wetter und der Nahrungsverfügbarkeit, identifiziert werden", so Goymann. Die Ergebnisse könnten aber auch zum Verständnis der Wirkung des Hormons bei Säugetieren beitragen. (APA, red, 11.2.2017)

  • Gartengrasmücken sind etwa so groß wie Kohlmeisen und leben bevorzugt in Wäldern mit reichem Unterwuchs, an Waldrändern und Gewässern. Ihr Gefieder ist eher unscheinbar, ihr Gesang dafür umso auffälliger.
    foto: imago

    Gartengrasmücken sind etwa so groß wie Kohlmeisen und leben bevorzugt in Wäldern mit reichem Unterwuchs, an Waldrändern und Gewässern. Ihr Gefieder ist eher unscheinbar, ihr Gesang dafür umso auffälliger.

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