Sanfte Bestrahlung bei Brust- und Nierenkrebs

    6. Februar 2017, 19:00
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    Mit der Radionuklidtherapie lassen sich Krebszellen sichtbar machen und abtöten. Das gesunde Gewebe wird nur minimal belastet, betonen Experten

    Bern – Ein Forscherteam der Uni Bern hat einen vielversprechenden Ansatz gefunden, Krebszellen mit radioaktiven Molekülen zu markieren und zu bekämpfen. Den Wissenschaftern zufolge ließen sich damit insbesondere häufig vorkommende Krebsarten wie Brust- oder Nierentumore diagnostizieren und therapieren.

    Bei der Krebsbehandlung mit Radionuklidtherapie docken radioaktive Moleküle an Oberflächenstrukturen von Krebszellen an, die bei gesunden Zellen kaum oder gar nicht auftauchen. Dank dieses spezifischen Andockens – wie ein Schlüssel, der in ein ganz spezifisches Schloss passt – lassen sich Krebszellen sichtbar machen oder durch die Strahlung sogar abtöten. Das gesunde Gewebe wird nur minimal belastet.

    Es gibt zwei Typen dieser radioaktiven Moleküle: Werden sie beim Andocken in die Krebszelle eingeschleust, spricht man von Agonisten. Diese werden bereits routinemäßig zur Bekämpfung bestimmter relativ seltener Krebsarten eingesetzt. Für häufigere Krebsarten gelten sie bisher als ungeeignet.

    Der Fokus auf den Antagonisten legen

    Es gibt jedoch auch Moleküle, die an der Oberfläche der Krebszellen bleiben und sich dort anreichern – die sogenannten Antagonisten. Ein Forscherteam um Jean Claude Reubi von der Universität Bern hat nun gezeigt, dass solche Antagonisten sich bei einer Reihe häufig vorkommender Krebsarten deutlich besser für die Therapie eignen könnten als Agonisten.

    Das Team um Reubi testete sowohl Antagonisten als auch Agonisten, die an eine ganz bestimmte Andockstelle auf Tumorzellen binden, nämlich die sogenannten Somatostatin-SST2-Rezeptoren. Dabei prüften sie in Laborversuchen, wie gut die beiden Molekül-Typen an verschiedene Krebszellen binden, darunter Brustkrebs, Nierenkrebs, Schilddrüsenkrebs und Lymphkrebs.

    Weitere Tests notwendig

    Der Vergleich zeigte, dass die Antagonisten viel besser an die Rezeptoren dieser häufigen Krebsarten binden und damit diese Tumorzellen markieren konnten als die Agonisten. Davon berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Journal of Nuclear Medicine".

    Auch für den Einsatz bei Patienten sind die Forscher zuversichtlich: "Wir können davon ausgehen, dass diese häufigen Krebsarten, für deren Therapie die Agonisten bisher nicht als geeignet betrachtet wurden, nun mittels Antagonisten in vivo erfolgreich bekämpft werden könnten", so Reubi. Bis zu ihrem Einsatz in der Krebstherapie müssen die Antagonisten jedoch noch eine Reihe weiterer Tests durchlaufen. (APA, 6.2.2017)

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