Fink: "Fußball soll Fußball bleiben"

6. Februar 2017, 12:28
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Austria-Coach ist wie viele seiner Trainer-Kollegen nicht sonderlich von den von Fifa-Direktor Marco van Basten angedachten Veränderungen begeistert

Wien – Die zehn Trainer der heimischen Fußball-Bundesliga stehen den möglichen Reformen des Weltverbandes Fifa skeptisch gegenüber. Der von Fifa-Direktor Marco van Basten angedachten Abschaffung der Abseitsregel etwa konnten die Übungsleiter in einer Umfrage der APA nichts abgewinnen. Auch die beschlossene WM-Aufstockung von 32 auf 48 Teams wird mit gemischten Gefühlen gesehen.

Mehrere Ligatrainer gaben sich im Hinblick auf die Van-Basten-Vorstöße als Traditionalisten. "Fußball soll Fußball bleiben. Man kann immer etwas besser machen, aber Abseits aufheben? Da muss man die Sportart wechseln", meinte etwa Austria-Coach Thorsten Fink. Ähnlich sieht es der neue Admira-Betreuer Damir Buric. "Alles sollte so sein, wie es war", erklärte der Kroate.

Scherb: "Abschaffung des Abseits Schwachsinn"

Kleine Modifikationen sind für einige Trainer vorstellbar. "Den Kern des Spiels darf man nicht verändern", betonte aber etwa Martin Scherb. "Die Abschaffung des Abseits halte ich für einen Schwachsinn." Mit einer Nettospielzeit in den letzten zehn Minuten könnte sich der Neo-Coach von Tabellenführer Altach aber anfreunden. Selbiges sagte sein zu Rapid gewechselter Vorgänger Damir Canadi über die von Van Basten ebenfalls angedachten Zeitstrafen.

Mattersburg-Trainer Gerald Baumgartner sprach sich klar gegen all diese Vorschläge aus. "Zeitausschlüsse und Netto-Spielzeit in den letzten zehn Minuten würde ich auf keinen Fall einführen, Abseits auf gar keinen Fall abschaffen", erklärte der Salzburger. Sturm-Coach Franco Foda begrüßte zumindest das Vorantreiben der Torlinientechnologie. "Alles, was unseren Sport fairer macht, ist gut."

Positiver Nebeneffekt durch WM-Aufstockung

Die WM-Aufstockung ab 2026 bewerteten Baumgartner und Scherb zumindest insofern positiv, als dass sich das ÖFB-Team dadurch leichter für das Großereignis qualifizieren könnte. Möglicherweise würden beim Turnier aber Qualität und auch Spannung leiden, schränkte der SVM-Coach ein. Scherb versteht die Beschwerden der Großklubs nicht, die "sich jetzt darüber aufregen und ihre Spieler jeden Sommer nach Amerika oder Asien jagen, um viel Geld zu verdienen".

WAC-Trainer Heimo Pfeifenberger erinnerte daran, dass kleinere Länder "schon des Öfteren eine Bereicherung für Endrunden" waren. Skeptisch äußerten sich dagegen Foda und Canadi. "Zu viele Mannschaften bei der Weltmeisterschaft bedeuten auch höhere Belastungen für die Spieler, vor allem bei den Spitzenmannschaften", sagte der Sturm-Coach. "Ich bin schon neugierig, wie man das umsetzt, weil es noch mehr Spiele geben wird", ergänzte sein Rapid-Kollege.

Differenziert betrachtet die Aufstockung auch Ried-Betreuer Christian Benbennek: "Entscheidend ist, dass es bei der WM nicht noch mehr Spiele für die Nationalmannschaften gibt." St. Pöltens Jochen Fallmann äußerte sich zu den Reformen und Reformplänen ebenso vage wie Oscar Garcia. "Ein paar dieser Ideen klingen recht interessant. Bei anderen wiederum wird es schwierig, diese sinnvoll umzusetzen", sagte der Salzburg-Trainer.

Fünf Fragen an die zehn Bundesliga-Trainer:

1.) Wer wird Meister?

2.) Wie bewerten Sie die Situation im Abstiegskampf?

3.) Wie lauten die Ziele mit Ihrer Mannschaft?

4.) Wie zufrieden sind Sie mit den Transferaktivitäten bzw. der Kaderplanung Ihres Klubs?

5.) Was halten Sie von den jüngsten Reformen und Reformvorschlägen des Weltverbandes Fifa?

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Martin Scherb (SCR Altach):

1.) "Einer der Klubs, die derzeit auf den Rängen eins bis vier liegen."

2.) "Ich wünsche allen viel Glück, aber das ist nicht mein Thema."

3.) "Wir haben eine gute Ausgangsposition, weil im Herbst sensationell gearbeitet wurde. Auf dieser guten Position wollen wir uns weiterentwickeln. Wir messen den Erfolg nicht in Zahlen. Es hilft nichts, wenn wir sagen, wir wollen Erster, Zweiter oder Dritter werden, es hilft nur die Arbeit auf dem Trainingsplatz."

4.) "Es ist eigentlich ein Nullsummenspiel und absolut in Ordnung. Oberlin und Ortiz sind weg, dafür kommen Aigner und Zwischenbrugger nach ihren Verletzungen wieder zurück."

5.) "Den Kern des Spiels darf man nicht verändern, die Abschaffung des Abseits halte ich für einen Schwachsinn. Mit einer Nettospielzeit in den letzten zehn Minuten könnte ich mich anfreunden. Die WM-Erweiterung erhöht unsere Chancen, dabei zu sein, daher sehe ich es aus österreichischer Sicht positiv. Ich verstehe die Großclubs nicht, die sich jetzt darüber aufregen und ihre Spieler jeden Sommer nach Amerika oder Asien jagen, um viel Geld zu verdienen."

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Oscar Garcia (Red Bull Salzburg):

1.) "Ich hoffe natürlich, dass wir den Titel wieder verteidigen können."

2.) "Da ist alles recht eng beisammen, und es sind noch so viele Spiele zu absolvieren. Da kann noch wirklich alles passieren."

3.) "Wir wollen das Beste aus uns herausholen und so möglichst wieder die beiden Titel gewinnen."

4.) "Bis auf den Abgang von Dayot Upamecano hat sich bei uns wenig Entscheidendes getan. Wir haben also eine ähnliche Ausgangsposition wie im Herbst, mit der ich durchaus zufrieden bin."

5.) "Ein paar dieser Ideen klingen recht interessant. Bei anderen wiederum wird es schwierig, diese sinnvoll umzusetzen."

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Franco Foda (SK Sturm Graz):

1.) "Ich glaube, dass die Meisterschaft spannend bleibt. Trotzdem ist der FC Red Bull Salzburg der Favorit."

2.) "Ich gehe davon aus, dass der Abstieg erst am letzten Spieltag entschieden wird. Er ist genauso spannend wie der Kampf um die Meisterschaft."

3) "Wir haben vor der Saison keine Ziele formuliert und werden das jetzt auch nicht tun. Wir wollen aber an die Leistungen aus dem Herbst anschließen."

4) "Wir haben zwei wichtige Stammspieler abgegeben und durch junge entwicklungsfähige Spieler ersetzt. Ich bin überzeugt, dass diese Spieler uns weiterhelfen können."

5) "Zu viele Mannschaften bei der Weltmeisterschaft bedeuten gleichzeitig auch höhere Belastungen für die Spieler, vor allem bei den Spitzenmannschaften. Bei der Torlinientechnologie bin ich für ehrlichen Fußball. Alles, was unseren Sport fairer macht, ist gut."

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Thorsten Fink (FK Austria Wien):

1.) "Ich gehe davon aus, dass Red Bull am Ende Erster wird. Sie sind nunmal die beste Mannschaft."

2.) "Ich möchte mich nicht viel zu anderen Mannschaften äußern. Aber es tut sich was in Mattersburg, das merkt man."

3.) "Die Teilnahme an der Europa League ist sehr wichtig für uns, das bleibt das größte Ziel. Aber wenn man Rapid hinter einem hat, kann man Zweiter werden. Wir gehen es an."

4.) "Wir haben mit Grünwald einen wichtigen Spieler halten können, der ein Angebot hatte. Das ist ein wichtiges Ausrufezeichen für den Club. In der Breite des Kaders haben wir uns durch den Abgang von Windbichler ein wenig verschlechtert."

5.) "Fußball soll Fußball bleiben. Man kann immer etwas besser machen, aber Abseits aufheben? Da muss man die Sportart wechseln. Natürlich kann man Dinge modifizieren, darüber kann man sprechen. Aber nicht ganz verändern."

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Damir Canadi (SK Rapid Wien):

1.) "Einer der Top 4 der Tabelle."

2.) "Ich habe mich wenig damit beschäftigt. Eine Mannschaft aus dem unteren Bereich wird es treffen."

3.) "Wir werden versuchen, die höchstmögliche Punkteanzahl zu holen. Ein Ziel könnte sein, in die Top 3 zu kommen, aber die genauen Ziele werden wir noch festlegen. Ein weiteres Ziel ist der ÖFB-Cup. Da haben wir die Chance, mit drei Spielen in den Europacup zu kommen, da werden wir alles probieren."

4.) "Wir wollten den Kader verkleinern, das ist uns nicht so gelungen. Man muss sich eben an Verträge halten. In Absprache mit der wirtschaftlichen Abteilung war es nicht möglich, neue Spieler zu holen."

5.) "Zeitstrafen könnten eine gute Möglichkeit sein. Die WM-Ausweitung ist spannend. Ich bin schon neugierig, wie man das umsetzt, weil es noch mehr Spiele geben wird. Ich beschäftige mich aber weniger mit solchen Sachen."

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Damir Buric (FC Admira Wacker):

1.) "Es werden mehrere Mannschaften um den Titel spielen: Salzburg, Altach, Austria Wien – aus drei wird eins."

2.) "Wir sind auch in dieser Situation drinnen, und es wird sehr spannend werden. Die Punkte in der Tabelle sagen auch nicht die Wahrheit. Es wird bis zum Schluss ein spannender Abstiegskampf bleiben."

3.) "Unser Ziel ist es, die Mannschaft weiterzuentwickeln – gruppentaktisch und individuell – und in der Liga zu bleiben."

4.) "Wir sind in unserem Rahmen geblieben und das ist unser Plan."

5.) "Alles sollte so sein, wie es war."

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Heimo Pfeifenberger (WAC):

1.) "Für mich ist der große Favorit der FC Red Bull Salzburg."

2.) "Die will ich gar nicht bewerten, weil sich Runde für Runde alles ändern kann."

3.) "Wir haben in der Rückrunde noch 16 Endspiele, in denen wir unsere maximale Leistungsgrenze erreichen müssen, um mehr Punkte als letzte Saison zu erreichen."

4.) "Mit Leitgeb, Orgill und Ouedraogo haben wir Routine, Qualität und Top-Charaktere für den WAC gewinnen können. Jetzt wünschen wir uns noch, dass die verletzten Spieler, die uns schon im Herbst gefehlt haben, für das Frühjahr wieder fit werden und gesund bleiben."

5.) "Für kleinere, unbekannte Länder ist es eine große Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Underdogs waren schon des Öfteren eine Bereicherung für Endrunden."

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Christian Benbennek (SV Ried):

1.) "Red Bull Salzburg"

2.) "Der Abstiegskampf wird wie in jedem Jahr durch das Gefälle innerhalb der Liga, aber auch durch das Liga-Format sehr lange spannend bleiben. Wir wollen uns so schnell es geht absetzen."

3.) "Es wäre ein großer Erfolg, wenn wir am Ende Sechster werden."

4.) "Das ist von zwei Seiten zu betrachten. Einerseits ist es uns nicht gelungen, neue Spieler zu uns zu holen. Wir hatten drei sehr interessante Kandidaten. Andererseits haben wir es aber geschafft, dass wir zwei für uns sehr wichtige Spieler halten konnten, die von anderen Vereinen umworben wurden. Deshalb sehe ich es positiv."

5.) "Man muss es sich genauer ansehen. Entscheidend ist, dass es bei der WM nicht noch mehr Spiele für die Nationalmannschaften gibt. Das ist das Wichtigste. Zweitens soll man sogenannte kleine Nationen aus Asien und Afrika nicht unterschätzen. Auch diese entwickeln sich ständig weiter. Und drittens werden nur mehr große Länder dieses Turnier ausrichten können. Das sehe ich als Vorteil, weil dadurch die Gefahr kleiner ist, dass Sportstadien gebaut werden, die danach nicht genützt werden."

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Jochen Fallmann (SKN St. Pölten):

1.) "RB Salzburg."

2.) "Sehr spannend."

3.) "Als Erstes gilt es natürlich einmal den Klassenerhalt zu sichern. Doch wir wollen eigentlich gar nicht nach unten schauen, unser Blick muss nach vorne gerichtet sein. Wir wollen zumindest einen Platz gut machen."

4.) "Ich bin sehr zufrieden – allerdings gibt es den Wermutstropfen, dass Dieng und Neo-Stürmer Doumbouya sehr spät zur Mannschaft gestoßen sind."

5.) "Ehrlich gesagt habe ich mich noch gar nicht sehr viel damit beschäftigt, zumal ich es letztendlich sowieso nicht beeinflussen kann, wenn etwas reformiert wird."

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Gerald Baumgartner (SV Mattersburg):

1.) "Für mich als Salzburger ist es klar – ich glaube an Red Bull Salzburg."

2.) "Im Endeffekt haben wir die schlechteste Ausgangsposition, was die Punkte betrifft, aber es kann auch für andere Vereine noch gefährlich werden. Wir schauen nur auf uns selbst und werden alles versuchen, oben zu bleiben."

3.) "Der Klassenerhalt hat oberste Priorität, darauf ist alles ausgerichtet."

4.) "Wir haben mit Atanga aufgrund meiner guten Kontakte zu Red Bull ein hoffnungsvolles Talent bekommen und mit Ortiz einen erfahrenen Verteidiger geholt. Mit Maierhofer haben wir einen Spieler geholt, der sich in Österreich noch einmal beweisen will und uns von seiner Persönlichkeitsstruktur her entscheidend weiterhelfen kann."

5.) "Wenn man die WM so ausweitet, leidet die Qualität und vielleicht auch die Spannung. Aber aus österreichischer Sicht ist es auch eine Chance, sich öfter zu qualifizieren. Zeitausschlüsse und Netto-Spielzeit in den letzten zehn Minuten würde ich auf keinen Fall einführen, Abseits auf gar keinen Fall abschaffen." (APA, 6.2.2017)

  • "Man kann immer etwas besser machen, aber Abseits aufheben? Da muss man die Sportart wechseln", kommentierte Austria-Coach Thorsten Fink die Reformideen von Fifa-Direktor Marco van Basten.
    foto: apa/robert jaeger

    "Man kann immer etwas besser machen, aber Abseits aufheben? Da muss man die Sportart wechseln", kommentierte Austria-Coach Thorsten Fink die Reformideen von Fifa-Direktor Marco van Basten.

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