Unicredit-Kapitalerhöhung startet mit Kurssturz

6. Februar 2017, 16:53
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Unicredit wird am 9. Februar ihre Bilanz mit einem erwarteten Verlust von 11,8 Milliarden Euro präsentieren

Die 13 Milliarden Euro schwere Unicredit-Kapitalerhöhung, die größte in der italienischen Wirtschaftsgeschichte, startete zu Wochenbeginn mit Kursverlusten bis zu 6,5 Prozent. Die neuen Aktien werden zum Preis von je 8,09 Euro ausgegeben. Das Geldhaus bietet 13 neue Papiere für je fünf alte. Die Nachricht, dass einige italienische Großaktionäre wie etwa die Sparkassenstiftung von Turin (Crt) oder Cariverona die Kapitalerhöhung nicht voll zeichnen wollen, wirkt sich auf die Kursbewegung aus. Die Kapitaloperation dauert von 6. bis 24. Februar, nichtgenutzte Bezugsrechte können bis 10. März verkauft werden.

Fast zwölf Milliarden Verlust

Die Bank hat bekanntgegeben, dass sie für 2016 einen Verlust von 11,8 Milliarden Euro ausweisen wird, was rund eine Mrd. Euro mehr als bisher prognostiziert. Am 9. Februar präsentiert Unicredit die Quartalsergebnisse. Zudem ist die Großbank wegen ihres Bestands an faulen Krediten im Visier der Europäische Zentralbank (EZB). Die fordert bis Ende Februar einen strategischen Plan, aus dem im Detail hervorgehen solle, wie Unicredit die Probleme mit den ausfallsgefährdeten Krediten bewältigen werde. Unicredit will bis 2019 rund 18 Mrd. Euro an faulen Krediten loswerden und insgesamt 14.000 Stellen, davon 9400 in Italien, streichen. Am Wochenende hat die Bank-Austria-Mutter eine Einigung mit den italienischen Gewerkschaften über den Abbau von vorerst 3900 Arbeitsplätzen in Italien bis 2019 getroffen. Geplant ist hier die Schließung von 883 Filialen. Das sind 27 Prozent aller Zweigstellen in Italien.

Der Umbau soll nicht nur durch die 13 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung, sondern auch durch den Verkaufserlös von Assets (sieben Mrd. Euro) finanziert werden. Im Rahmen ihrer Sanierung zapft die italienische Großbank Unicredit ihre kapitalstarke Tochter HypoVereinsbank (HVB) abermals an. Das Münchner Institut schüttet an die Mutter eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro aus. Noch ist nicht bekannt, wie die Sonderdividende genutzt wird. Ein Transfer zur Bank Austria wird nicht ausgeschlossen. Insgesamt erhält Unicredit von ihren Tochtergesellschaften für 2016 zusammen 4,1 Mrd. Euro, wobei der Löwenanteil von der HVB stammt. Im Jahr 2019 sollen Mustiers Restrukturierungsplan zufolge nochmals 1,7 Mrd. Euro folgen.

Garantierte Transaktion

20 internationale Banken garantieren die Finanztransaktion. Unicredit zahlt den Banken und den Beratern einen Rekordbetrag von 500 Millionen Euro.

Die EZB hat von Unicredit gefordert, bis Ende Februar einen Plan zu präsentieren, der den Abbau von Problemkrediten im Detail vorsieht. Deren Deckung hat im vierten Quartal 2016 nach Bankangaben zur Bildung von Rücklagen über 12,2 Mrd. Euro geführt. Dadurch konnten die individuellen Kapitalanforderungen der EZB zu Jahresende nicht erfüllt werden. Per Ende Dezember 2016 wird eine harte Kernkapitalquote CET 1 von 8 und eine Tier-1-Capital-Ratio von neun Prozent erwartet. Des Weiteren sollen zusätzliche Kosten von 12,8 Mrd. Euro die Bankbilanz belasten, die durch offene Konflikte mit der Justiz, durch arbeitsrechtliche und steuerrechtliche Streitigkeiten entstehen könnten. Dafür wurden Ende September Rücklagen von 680 Millionen Euro gebildet. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 6.2.2017)

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