Bangladesch will Rohingyas auf entlegene Pirateninsel umsiedeln

9. Februar 2017, 17:28
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Proteste gegen Plan der Regierung in Dhaka – Minderheit leidet in Nachbarland Myanmar unter anhaltender Verfolgung

Dhaka/Yangon – Die Regierung von Bangladesch treibt trotz Kritik von Menschenrechtsorganisationen ihr Projekt voran, zehntausende Angehörige der Rohingya-Minderheit auf einer einsamen, von Monsunüberschwemmungen heimgesuchten Insel anzusiedeln

Außenminister A.H. Mahmood Ali forderte die Vertreter aus 60 Auslandsvertretungen sowie mehrerer UN-Organisationen am Sonntag in Dhaka zu "bedeutsamen Maßnahmen" auf, um den Rohingya auf der Insel Thengar Char im Golf von Bengalen eine vorübergehende Bleibe zu schaffen.

Die in bitterer Armut lebenden Rohingya sehen sich in Myanmar anhaltender Verfolgung ausgesetzt, sie gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten die muslimischen Rohingya als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele von ihnen schon seit Generationen in Myanmar leben.

Mehr eine Viertelmillion geflüchtet

In den vergangenen Jahren waren bereits etwa 232.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Wegen einer Armeeoffensive in Myanmars westlichem Bundesstaat Rakhine kamen allein seit Oktober weitere 65.000 Rohingya nach Bangladesch. Viele von ihnen leben unter unzulänglichen Bedingungen in grenznahen Flüchtlingslagern.

Vergangene Woche setzte die Regierung in Dhaka einen Ausschuss ein, der die Umsiedlung von Rohingya nach Thengar Char betreiben soll. Ein Behördenvertreter gab allerdings kritisch zu bedenken, dass die 2.430 Hektar große Insel nur im Winter zugänglich und ein Rückzugsort für Piraten sei.

Bereits 2015 hatte Bangladesch die Idee aufgebracht, Rohingya auf Thengar Char anzusiedeln. Sie löste damit bei Anführern der Rohingya Proteste aus, die UNO gab zu bedenken, dass eine erzwungene Umsiedlung ein "sehr komplexer und kontroverser" Komplex sei.

Außenminister Ali sagte nun zu, die Umsiedlung erfolge erst, wenn auf der Insel die notwendige Infrastruktur wie Straßen und Schulen errichtet worden sei. Bangladesch brauche aber internationale Hilfe bei der "Entwicklung der Insel und dem Transport myanmarischer Staatsbürger", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Die Umsiedlung auf die Insel soll demnach nur eine "vorübergehende Regelung" sein. (APA, 6.2.2017)

  • Die Rohingyas leben in Bangladesch unter dramatischen Umständen.
    foto: reuters/mohammad ponir hossain

    Die Rohingyas leben in Bangladesch unter dramatischen Umständen.

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