Fall Hoeness ließ Schwarzgeldtourismus versiegen

6. Februar 2017, 11:06
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Im Dreiländereck am Bodensee werden kaum mehr Aufgriffe wegen Bargeldschmuggelei getätigt

Wien – An den Grenzen im Dreiländereck am Bodensee wurden von den Zollfahndern bei ihren Kontrollen früher Milliardensummen an Schwarzgeld entdeckt. Inzwischen werden nahezu keine Aufgriffe mehr registriert, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Montagausgabe). Sie führt es vor allem auf den Steuerfall Uli Hoeneß zurück.

Die Zeitung beschreibt die einstige Praxis bildhaft: "Wenn Geld stinken würde, wäre die Luft am Bodensee über Jahrzehnte hinweg miserabel gewesen." Nirgendwo sonst in Deutschland hätten Zollfahnder bei Reisenden so viel heimlich über die Grenzen geschmuggeltes Bargeld entdeckt wie im Raum Lindau. Allein 2010 seien die Beamten bei Kontrollen in Zügen, auf Autobahnen und Fähren einem nicht versteuerten Auslandsvermögen von 1,85 Mrd. Euro auf die Spur gekommen.

2006 hat der deutsche Fiskus erstmals CDs mit den Daten von Steuerhinterziehern aufgekauft. Da habe der Schwarzgeldtransfer in und aus der Schweiz heraus sowie nach Liechtenstein und Österreich langsam zu erodieren begonnen, schreibt das Blatt.

Allerdings seien die Zollkontrollore weiterhin fündig geworden – nach Angaben von Hagen Kohlmann, Sprecher des fürs Dreiländereck zuständigen Hauptzollamts in Ulm, 40 bis 80 Mal im Jahr. Ein Ende setzte dem Schwarzgeldtourismus erst der Fall Hoeneß, heißt es in dem Bericht.

Schwarzgeldexpress oder Bummelzug

Nach wie vor seien die Kontrolleure des Zolls unterwegs. Ihr Gebiet erstrecke sich von der österreichischen Grenze bis 30 Kilometer ins Hinterland. Laut "SZ" fahren sie im Eurocity München-Zürich mit, "Schwarzgeldexpress" genannt, aber auch in Bummelzügen. Auch auf Bodensee-Fähren und im Lindauer Hafen lauerten die Fahnder, mobile Kontrollen gibt es auf der Lindauer Autobahn. Der Zoll setzt auch Hunde ein, die Geld tatsächlich riechen können.

Kärtchen mit dem Hinweis (gegebenenfalls in 40 Sprachen), dass "Bargeld oder gleichgestellte Zahlungsmittel" im Wert von mehr als 10.000 Euro vorgezeigt werden muss, werden Angehaltenen vor Augen gehalten. Die Beamten schauten auf Details: Wer angebe, nur einen Tagesausflug nach Lindau gemacht zu haben und dabei eine Schweizer Zeitung in der Hand halte, mache sich schon verdächtig. Auch eine Visitenkarte eines Schweizer Bankberaters in der Brieftasche. Interessiert sind die Zollfahnder nicht nur an Bargeld, Diamanten und Gold, sondern auch an Kontoauszügen, Wertpapieren oder Schließfachschlüsseln. Bei einem Gesamtwert von mehr als 10.000 Euro droht dem Schmuggler eine empfindliche Strafe, außerdem erhält sein Finanzamt eine Mitteilung des Zolls.

Erst der Fall Uli Hoeneß, der 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, habe dazu geführt, dass Steuerhinterzieher im großen Stil reinen Tisch machten, heißt es. 2014 sei die Zahl der Selbstanzeigen bei den bayerischen Finanzämtern von 4.000 auf 6.000 gesprungen. Die Zollfahnder am Bodensee bekamen schlagartig mehr Arbeit, Schweizer Banken forderten ihre Kunden auf, ihre Vermögen steuerlich zu klären. Viele holten ihr Schwarzgeld rasch nach Hause und gerieten damit ins Visier der Zollfahnder.

Mittlerweile verzeichne der Zoll nahezu keine Aufgriffe mehr im Dreiländereck. Bei Besitzern kleinerer und mittlerer Vermögen hat laut Kohlmann von der Finanzbehörde in Ulm ein "Reinigungsprozess" stattgefunden. "Und die großen Fische müssen mit ihrem Kapital nicht mehr über die Grenze. Die machen das heute digital." (APA, 6.2.2017)

  • Ein Bargeld-Spürhund im Einsatz.
    foto: dpa/fredrik von erichsen

    Ein Bargeld-Spürhund im Einsatz.

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