Sozialphobie: Psychotherapie lässt Gehirn "normaler" werden

6. Februar 2017, 10:28
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Forscher konnten durch psychotherapeutische Intervention eine Normalisierung von Selbstkontrolle und Emotionsregulation beobachten

Zürich – Die Behandlung einer sozialen Angststörung durch Psychotherapie zeigt Wirkung im Gehirn, berichten Schweizer Wissenschaft aus Zürich. Durch eine zehnwöchige Therapie normalisierten sich demnach Hirnstrukturen, die für Regulierung und Verarbeitung von Emotionen zuständig sind.

Eine soziale Angststörung oder Sozialphobie äußert sich in einer ausgeprägten Angst mit fremden Menschen zu sprechen oder in einer Gruppe die Aufmerksamkeit durch peinliches Verhalten auf sich zu ziehen. Sie beruht darauf, dass bestimmte Hirnareale, die normalerweise Emotionen regulieren und verarbeiten, dies nicht mehr ausreichend bewerkstelligen können.

Ein Forscherteam der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) Zürich berichtet nun, dass kognitive Verhaltenstherapie diese Hirnstrukturen bei Patienten wieder normalisieren kann. Bei dieser Form der Gruppentherapie trainieren Betroffene beispielsweise durch Rollenspiele und Selbstbeobachtung Strategien, mit der Angst in sozialen Situationen umzugehen.

Strukturelle Veränderungen im Gehirn

Die Forscher um Annette Brühl von der PUK untersuchten das Gehirn von 33 Betroffenen vor und nach einer zehnwöchigen Therapie. "Wir können zeigen, dass es zu strukturellen Veränderungen in Hirnarealen kommt, die mit Selbstkontrolle und Emotionsregulation zusammenhängen", fasst Brühl die Resultate zusammen. Auch waren Hirnareale, die an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind, nach der Therapie stärker vernetzt. "Die Psychotherapie normalisiert die durch eine Soziale Angststörung ausgelösten Hirnveränderungen", so die Psychologin.

Die Forscher betonen allerdings die eingeschränkte Aussagekraft ihrer Untersuchung, da in der Studie ohne Kontrollgruppe gearbeitet wurde. Der Hauptfokus sei es gewesen, den Mechanismus zu ergründen, wie die Therapie zu einer Verbesserung der Symptome führe.

Für die Resultate spräche auch, dass die in der Studie beobachteten Veränderungen im Gehirn umso ausgeprägter waren, je besser die Therapie beim jeweiligen Patienten gewirkt hatte. Weitere Studien seien jedoch nötig, die Wirkung der kognitiven Verhaltenstherapie auf Gehirnstrukturen zu bestätigen und weiter zu entschlüsseln. (APA, red, 6.2.2017)

  • Die Veränderungen im Gehirn sind umso ausgeprägter, je besser ein Betroffener auf die Therapie "anspricht", sagen Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.
    foto: apa/keystone/alexandra wey

    Die Veränderungen im Gehirn sind umso ausgeprägter, je besser ein Betroffener auf die Therapie "anspricht", sagen Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

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