Live-Ortung in Whatsapp: Überwachung durch Eltern und Chefs droht

6. Februar 2017, 10:02
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Künftig können Whatsapp-Nutzer jederzeit ihren Standort freigeben, das kann rechtlich heikel werden

Whatsapp testet momentan die Freigabe von Standortdaten in Echtzeit. Konnten Nutzer bisher lediglich ihren aktuellen Aufenthaltsort wie ein Foto oder eine Textnachricht verschicken, können sie künftig permanent in Echtzeit verfolgt werden. Dieses Feature soll demnächst in Gruppenchats freigeschaltet werden. Der Service soll etwa genutzt werden, damit sich Freunde auf belebten Plätzen treffen können. Das klingt harmlos – doch Datenschützer befürchten, dass die Echtzeitortung auch für andere, rechtlich heikle Zwecke genutzt werden könnte.

Ohne Einverständnis keine Verfolgung

Theoretisch könnten etwa Vorgesetzte via Whatsapp-Gruppenchat prüfen, wo sich ihre Mitarbeiter momentan aufhalten. Dasselbe gilt für Eltern, die ihre Kinder etwa beim Fortgehen orten könnten. Dabei begeben sich die Überwacher jedoch in eine rechtliche Grauzone. Ohne das Einverständnis von Kindern oder Mitarbeitern ist die Überprüfung von deren Standort tendenziell verboten.

Um Whatsapp zu nutzen, muss etwa das Alter von 16 Jahren erreicht sein. Dann haben Eltern kein Recht mehr, ihren Nachwuchs zu orten. Natürlich gibt es auch jüngere User, welche die Nutzungsbedingungen des Messengers ignorieren. Der deutsche Rechtsanwalt Christian Solmecke denkt, dass aber über 14 Jahre jedenfalls ein Mitbestimmungsrecht des Kindes nötig ist.

"Gewichtiges Interesse"

Im Arbeitsrecht ist geregelt, dass eine Standortüberwachung von Mitarbeitern nur mit deren Einverständnis und einer Begründung möglich ist. So ist es in Logistikunternehmen beispielsweise naheliegend, den Ort der Fahrer zu ermitteln. Dazu werden aber meist Softwarelösungen eingesetzt. Bisher setzen Firmen laut orf.at auf die Ortung über das Diensthandy oder ein Navigationssystem im Firmenauto. Laut Arbeiterkammer muss dazu ein "gewichtiges Interesse" des Arbeitgebers vorhanden sein.

Vorsichtig nutzen

Nutzer sollten jedenfalls vorsichtig sein, mit wem und wann sie ihren Standort teilen. Das Feature ist standardmäßig deaktiviert und kann in Gruppenchats freigeschalten werden. Sind User in einem Gruppenchat mit ihren Vorgesetzten, die diese Daten dann "unabsichtlich" erhalten, könnten diese durchaus in Arbeitsprozessen eingesetzt werden; etwa wenn sich ein Mitarbeiter zur Arbeitszeit klar außerhalb des Büros befindet, dies aber nicht angibt. So konnten E-Mails, die ohne Einverständnis und rechtliche Grundlage von einem Vorgesetzten abgerufen wurden, bereits in einem Prozess als Beweis eingesetzt werden. Die Erstellung von Bewegungsprofilen ist hingegen verboten – auch die Aktivitäten der Freunde dürfen nicht protokolliert und analysiert werden. (red, 6.2.2017)

  • Whatsapp bietet künftig die Freigabe von Standortdaten in Echtzeit an.
    foto: imago/stock & people

    Whatsapp bietet künftig die Freigabe von Standortdaten in Echtzeit an.

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