Christian Deutsch warnt Wiener SPÖ vor Grazer Schicksal

    6. Februar 2017, 08:51
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    "So schaut's aus, wenn SP-Langzeit-Bgm. Nachfolge nicht rechtzeitig regeln und loslassen", twitterte der Ex-Landesparteisekretär

    Wien/Graz/Niestetal – Exlandesparteisekretär Christian Deutsch stellt der Wiener SPÖ den Niedergang der Grazer Parteikollegen als Rute ins Fenster: "So schaut's aus, wenn SP-Langzeit-Bgm. Nachfolge nicht rechtzeitig regeln und loslassen", twitterte er Sonntagabend als "Lehre". Worauf ihn Parteikollegen darauf hinwiesen, dass in der Grazer Partei in den vergangenen Jahren viel öffentlich gestritten wurde.

    Deutsch hat schon mehrfach den Rücktritt von Wiens Bürgermeister und SPÖ-Chef Michael Häupl gefordert – und sah sich durch das Grazer Ergebnis bestärkt. Die SPÖ fiel bei der Gemeinderatswahl am Sonntag auf magere 10,1 Prozent und Platz fünf zurück, mit einem Verlust von mehr als fünf Prozentpunkten. Dabei hatte sie in Graz die längste Zeit seit 1945 die Bürgermeister gestellt, zuletzt von 1985 bis 2003 mit Alfred Stingl.

    Bisher schlechtestes SP-Ergebnis

    Schon unter Stingl hatte es – in der Zeit des FPÖ-Aufstiegs unter Jörg Haider – allerdings Verluste gesetzt. 2003 verlor die SPÖ (mit Walter Ferk als Spitzenkandidat) mit nur noch 25,7 Prozent den ersten Platz an die ÖVP. Den holte sie sich nie wieder zurück. Ständige interne Streitereien und häufige Personalwechsel prägten das Bild der SPÖ Graz. Auch kurz vor der heurigen Wahl wurde mit Michael Ehmann ein neuer Spitzenmann installiert – und ihm gelang in dem knappen Jahr bis zur Wahl die Stabilisierung der Partei nicht. Im Gegenteil, Ehrmann muss das bisher bitterste Ergebnis verantworten.

    Dass Deutsch Wien mit einem solchen Szenario drohte, rief umgehend Widerspruch hervor. "Die SPÖ braucht noch mehr öffentliches Quertreiben. War in Graz schon so erfolgreich", hielt Gemeinderat Marcus Gremel Deutsch sarkastisch vor. Die Kommunikationschefin der Wiener SPÖ, Lisa Fuchs, antwortete – nicht im SP-üblichen "Du", sondern per "Sie": "Ich finde Ihre Aussagen wirklich unpassend und unsolidarisch." (APA, 6.2.2017)

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