Linker Mélenchon tritt in Paris als Hologramm auf

5. Februar 2017, 21:45
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Kandidat setzt im Wahlkampf auf futuristisches Hightech. Laut Umfragen würde er in erster Runde auf elf Prozent kommen

Paris – Seine Gegner kritisieren Jean-Luc Mélenchon als ewiggestrigen Altlinken – im Wahlkampf aber setzt der französische Präsidentschaftskandidat auf futuristisches Hightech: Der Linkspartei-Gründer absolvierte am Sonntag einen Wahlkampfauftritt im ostfranzösischen Lyon und wurde zeitgleich als 3-D-Hologramm nahe Paris auf eine Bühne "gebeamt".

Rund 12.000 Anhänger in Lyon erlebten den 65-Jährigen aus Fleisch und Blut. In der 450 Kilometer nördlich gelegenen Pariser Vorstadt Aubervilliers staunten 6.000 Anhänger, als eine 3-D-Kopie Mélenchons zu ihnen sprach.

"Wo bin ich?" fragte Mélenchon zum Auftakt der Veranstaltung. "Ich bin in Lyon ... und jetzt in Paris." Dann schnippte er mit den Fingern und erschien in Aubervilliers, als wäre er vom Raumschiff Enterprise auf einen fernen Planeten gebeamt worden.

Zwei Sekunden Verzögerung

In Shows wird zunehmend auf Hologramme gesetzt, etwa, um den verstorbenen Popstar Michael Jackson wieder zum Leben zu erwecken. Auch Politiker sind schon als 3-D-Kopie vor ihren Anhängern erschienen – allerdings noch nie live, wie Mélenchons Team beteuert. Die Satellitenübertragung erlaubte eine Verzögerung von nur zwei Sekunden.

Der wortgewaltige Mélenchon liegt in Umfragen für die Präsidentschaftswahl in zweieinhalb Monaten derzeit auf dem fünften Platz. Laut einer aktuellen Befragung würde er in der ersten Wahlrunde auf rund elf Prozent kommen.

Er war nicht der einzige Kandidat, der am Wochenende in Lyon auftrat: Auch Front-National-Chefin Marine Le Pen und der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron waren für Wahlkampfauftritte in die ostfranzösische Stadt gereist. Hologramme hatten die beiden aber nicht zu bieten. (APA, 5.2.2017)

  • Jean-Luc Mélenchon in Paris und Lyon.
    foto: afp/samson, ksiazek

    Jean-Luc Mélenchon in Paris und Lyon.

  • Mélenchon, transparent.
    foto: ap/zihnioglu

    Mélenchon, transparent.

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