Ägyptischer Attentäter in Paris: Gute und böse Staaten

Kommentar5. Februar 2017, 18:48
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Donald Trumps Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten mehrheitlich muslimischen Ländern ist sinnlos. Glücklicherweise wurde es nun aufgehoben

Abgesehen von den nun glücklicherweise schlagend gewordenen verfassungsrechtlichen Einwänden gegen Donald Trumps selektives US-Einreiseverbot hat es auch nur wenige Tage gebraucht, um dessen faktische Sinnlosigkeit zu beweisen: Nicht in den USA, aber in Frankreich – und Europa ist ja für Trump abschreckendes Beispiel – hat ein in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) lebender und dort radikalisierter Ägypter mit Touristenvisum versucht, Menschen zu ermorden.

Beide Staaten, VAE und Ägypten, stehen nicht auf der roten Liste des US-Präsidenten. Um deren angeblichen Zweck zu hinterfragen, muss man nun nicht mehr zum 11. September 2001 zurückgehen. Bei den Anschlägen in den USA waren ja neben 15 Staatsbürgern Saudi-Arabiens, das ebenfalls nicht vom Trump-Bann betroffen ist, zwei Emirater und ein Ägypter dabei (sowie ein Libanese).

Ebenfalls nicht auf der Liste: Tunesien, das einzige Land des sogenannten Arabischen Frühlings, in dem der Übergang zur Demokratie noch auf Schiene ist – und gleichzeitig jenes, das am meisten Jihadisten exportiert. Und zwar nicht nur in Relation zur Bevölkerung, sondern auch in absoluten Zahlen: 6000 tunesische Kämpfer haben sich allein dem "Islamischen Staat" angeschlossen. Ist Tunesien nun gut oder böse? Es ist weder das eine noch das andere, sondern Teil einer arabischen Welt in einem mit Gewalt einhergehenden Umbruch. (Gudrun Harrer, 5.2.2017)

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