"Diesel wird nur bei größeren Fahrzeugen übrigbleiben"

Interview6. Februar 2017, 07:12
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Das neue Regime für die Messung von Spritverbrauch und Abgasen wird wenig bringen, wenn die Kontrolle fehlt, sagt Peter Mock

STANDARD: Ab Herbst gelten strengere Maßstäbe für die Messung von Spritverbrauch und Abgasen. Wie realistisch werden die Ergebnisse?

Mock: Einige Modelle werden höhere Werte zeigen, andere vielleicht sogar niedrigere. Über die Gesamtfahrzeugflotte rechnen wir damit, dass sich Verbrauch und CO2-Emissionen um maximal zehn Prozent erhöhen, weil viele Fahrzeuge schon jetzt auf den neuen Zyklus optimiert werden.

STANDARD: Das ist nicht eben viel.

Mock: Auch dieser Fahrzyklus ist nicht perfekt. Es gibt eine Reihe von Schlupflöchern, die mit Sicherheit wieder ausgenützt werden. Anfangs werden die CO2-Emissionen und der Treibstoffverbrauch leicht ansteigen, im Laufe der Zeit wird die Diskrepanz wieder zunehmen.

STANDARD: Das klingt nach dem alten Spiel.

Mock: Ja leider. Wir führen eine neue Testprozedur ein, die ein Stück realistischer ist. Das bringt aber nichts, wenn man nicht die zweite Säule stärkt, nämlich die unabhängigen Nachtests.

STANDARD: Die EU-Kommission schlägt ein strenges Kontrollregime und strenge Strafen vor. Dagegen haben wohl Länder mit Autoindustrie einiges einzuwenden.

Mock: Eine ganze Reihe läuft dagegen Sturm. Osteuropäische Länder, Großbritannien, Spanien, Deutschland, aber auch Luxemburg sind nicht begeistert. Es liegt wohl daran, dass die Mitgliedstaaten nicht wollen, dass die EU-Kommission mehr Macht bekommt und sie zwingen kann, gegen bestimmte Hersteller vorzugehen und Strafen zu verhängen.

STANDARD: Wie lange wird es dauern, bis die neuen Regeln greifen?

Mock: Bei den Stickoxidemissionen wird es wohl bis 2030 dauern, bis sie in den Citys eingehalten werden.

STANDARD: Welche Auswirkungen werden die Entwicklungen auf die Automodelle und die Preise haben?

Mock: Es trifft vor allem Diesel-Pkws. Bei großen Modellen kann man die Abgase ohne große Probleme bereinigen und das im Preis unterbringen. Schwierig wird es bei Kleinfahrzeugen. Das würde den Preis überproportional erhöhen. Oft fehlt auch der Platz im Fahrzeug. Diesel wird wohl nur noch in den größeren Fahrzeugsegmenten übrig bleiben, der Marktanteil wird damit sinken. (6.2.2017)

Peter Mock (36), ausgebildeter Chemiker, ist Direktor des International Council on Clean Transportation (ICCT).

  • Peter Mocks Forschernetzwerk brachte mit dem entscheidenden Tipp an die US-Behörden die VW-Affäre ins Rollen.
    foto: icct

    Peter Mocks Forschernetzwerk brachte mit dem entscheidenden Tipp an die US-Behörden die VW-Affäre ins Rollen.

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