Klimawandel bedroht "Brotbaum" Fichte

6. Februar 2017, 12:24
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Der wichtigste Baum für die heimische Holzwirtschaft, die Fichte, ist besonders anfällig für Trockenheit und Hitze

Wien – Sie ist eine der häufigsten Bäume in den heimischen Wäldern und aus der Holzwirtschaft nicht wegzudenken. Die Fichte wird oft der "Brotbaum" der heimischen Holzindustrie genannt. Das Holz dieses Nadelbaumes ist leicht, biegsam und vielseitig einsetzbar. Der Baum wächst relativ schnell; 60 Prozent der Bäume in den heimischen Nutzwäldern sind Fichten.

Das könnte sich ändern. "Der Klimawandel erzeugt für den Wald neue Realitäten", sagt Gerhard Mannsperger, zuständiger Sektionschef im Landwirtschaftsministerium. Die Fichte kann mit langen Hitzeperioden und Trockenheit nicht gut umgehen. Angestrengt wird deshalb nach Abhilfe gesucht: neuen Kreuzungen, anderen Fichtesorten, genetischen Züchtungen oder ganz anderen Bäumen, die als Alternativen dienen können.

Hoher Ertrag des Baumes

"Ziel ist, die Fichte zu erhalten, weil sie den höchsten Ertrag liefert", sagt Felix Montecuccoli, Forstwirt und Präsident der Vereinigung Land und Forstbetriebe. Dabei wird viel in den Süden geblickt. Die im Apennin heimische Fichte könnte künftig in unseren Breiten wachsen. Denn deren genetische Ausprägung ist etwas anders, erläutert Bernhard Budil, Generalsekretär von Land und Forst.

Doch auch in Österreich kommt die Fichte an den unterschiedlichsten Standorten – vom Sumpfgebiet bis hoch hinauf in die Berge – vor. Die Experten sind zuversichtlich, dass Sorten gezüchtet werden können, die mit immer mehr Hitzeperioden und längeren Phasen von Wasserarmut gut umgehen können. Gleich drei Institutionen beschäftigen sich mit dem Thema in Österreich: die Universität für Bodenkultur, das Forschungszentrum Seibersdorf AIT und das Bundesforschungszentrum Wald.

Flach- oder Tiefwurzler

Ob die Fichte, ein Flachwurzler, mithilfe von Gentechnik zum Tiefwurzler umgepolt werden könnte – wie im Internet bereits heftig spekuliert? "Das ist reine Fantasie", sagt Montecuccoli. Überhaupt wird hierzulande auch bei Bäumen ein Bogen um Gentechnik gemacht. Es werde lediglich mithilfe genetischer Analysen festgestellt, wo eine bestimmte Eigenschaft am Genom sitzt, sodass dann gezielt, aber konventionell gezüchtet werden kann.

Von den Bäumen, die statt der Fichte stärker gepflanzt werden, wird vor allem die ursprünglich in Amerika beheimatete Douglasie genannt. Wie die Fichte ist sie ein Nadelbaum, aber ein Tiefwurzler und ist deshalb gerüstet gegen Wassermangel. Auch der Eschen-Ahorn wäre eine Möglichkeit; ebenso wie die Buche, die schon jetzt zehn Prozent des Baumbestandes in Österreich ausmacht. Aber, sagt Montecuccoli, Buchenholz ist schwerer, ist schwieriger zu bearbeiten und nicht so vielseitig zu verwenden.

Invasorische Arten

Anderen möglichen "Ersatz"-Bäumen wird invasorisches Potenzial zugesprochen, was weder die Forstbetriebe noch die Naturschützer freut. Vor allem die Akazie, auch als Robinie bezeichnet, wird da genannt. Von Ungarn und dem Balkan kommend, hat sich der Baum in Ostösterreich bereits stark ausgebreitet. Vielfach, zum Beispiel in Weingärten, ist der Laubbaum landschaftlich pägend. Er wächst extrem schnell. Laut Budil kann eine junge Akazie in einem Sommer einen halben Meter zulegen. Der Baum ist extrem anspruchslos, und auch das Holz lässt sich vielseitig verwenden. Doch wo viel Licht, da viel Schatten. Großer Nachteil des Akazienbaumes ist, dass er andere Bäume verdrängt. Und dass er den Boden auslaugt. Ziel beim "Klimafit"-Machen der Wälder aber ist, dass "Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit erhalten bleiben", wie es Montecuccoli formuliert.

Anpassen muss sich die Forstbewirtschaftung, die Abkehr von Monokulturen wird stärker. Die Mischwälder bekommen andere Zusammensetzungen; Waldpflege wird noch wichtiger. Und die Anzahl der Stämme pro Hektar wird heruntergeschraubt. Denn wenn Bäume lockerer stehen, hilft dies dem einzelnen Baum. (Johanna Ruzicka, 6.2.2017)

  • In Österreich, erläutern Forstwirte, hatte die Fichte bisher optimale Rahmenbedingungen. Durch den Klimawandel könnte sich das ändern.
    foto: dpa/stratenschulte

    In Österreich, erläutern Forstwirte, hatte die Fichte bisher optimale Rahmenbedingungen. Durch den Klimawandel könnte sich das ändern.

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