Schneerosen, Bomben, Kinderstuhl: Wie sehen Sie den "Tatort" aus Weimar?

Ansichtssache5. Februar 2017, 18:32
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Weimar/Wien – Es geht um viele Schneerosen und noch mehr Kinderstuhl, um Gift, Explosivstoffe und nicht kaputtbares Porzellan an diesem Sontagabend im Tatort aus Weimar mit Christian Ulmen als Kommissar Lessing und Nora Tschirner als Kollegin Kira Dorn. Die Kritiker zeigen sich zwischen gelassen amüsiert und ziemlich begeistert. Und wie sehen Sie den "Tatort" "Der scheidende Schupo"?

mdr/anke neugebauer/ard

Sowas von nicht böse

"Die Geschichte eines reinen Toren oder auch törichten Schwärmers erzählt der jüngste der gern und manchmal auch angestrengt witzelnden Weimar-Tatorte mit Nora Tschirner und Christian Ulmen als Kommissars-Paar Dorn und Lessing", zeigt sich Sylvia Staude in der Frankfurter Rundschau etwas skeptisch. Schupo (uniformierter Polizist) Ludwig Maria Pohl, von allen Lupo genannt, schneidet ein Sträußchen Schneerosen, fährt damit zu einer Frau,trennt sich von ihr und fragt: "Dann bist du mir nicht böse, dass mein Herz Kira gehört?" Kira ist Kriminalkommissarin Dorn, referiert Staude:

"Die Verschmähte ist dann so was von nicht böse, dass sie mit der Kettensäge auf die geliebten Schneerosen losgeht. Im Beet explodiert eine Bombe. Lupo trauert nicht lange um Blumen und Ex und macht das Beste daraus: 'Ich wollte schon immer einen Seerosenteich.' Als nächstes stellt man aber fest: Der Schupo wird bald selbst scheiden, in etwa 72 Stunden, denn er ist mit Rizin vergiftet."

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Postmodernes Märchen

Ziemlich begeistert zeigt sich Tobias Jochheim auf RP-Online, dem Portal der Rheinischen Post: "Das ist kein Krimi, es ist ein postmodernes Märchen, garniert mit Zitaten von Dürrenmatt über "Fargo" bis "James Bond".

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Durch und durch schräg

"Das Schöne an den Folgen aus Weimar ist, dass sie zwar durch und durch schräg sind. Diesen Witz spielen aber Nora Tschirner und Christian Ulmen nicht so aufdringlich aus, wie beispielsweise die Kollegen aus Münster", schreibt Kerstin Meier in der Berliner Zeitung: "Sebastian Marka (Regie) findet dafür skurrile, märchenhafte Bilder, beinahe wie gemalt. Freunde des klassischen Tatorts dürften über diese verworrene Geschichte und die teils grotesk überzeichneten Figuren (Buch: Andreas Pflüger) entsetzt den Kopf schütteln. Aber wer das Abseitige mag, wird "Der scheidende Schupo" lieben."

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Ziemlich alleine in der Comedy-Provinz

Christian Buß vergibt auf Spiegel Online immerhin acht von zehn Punkten und lobt etwa: "Mit dem makabren Humor ist das so eine Sache: Wird die Pointe nicht klug aufgebaut, kommt sie einfach nur grob daher; nimmt man den komischen Stoff nicht auch zugleich sehr ernst, wirkt der Witz einfach nur zynisch. Andreas Pflüger und Murmel Clausen, die beiden Stammautoren des Weimar-"Tatort", hatten von Anbeginn des TV-Reviers den richtigen Tonfall. Und sie halten ihn in jeder neuen Folge durch. Damit stehen Pflüger und Clausen ziemlich alleine da in der Comedy-Provinz von "Tatort"-Deutschland.

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Ganz amüsant

"Ganz amüsant anzuschauen" findet STANDARD-Kritiker Michael Wurmitzher "Der scheidende Schupo": "So kurios dieser Tatort aus dem thüringischen Weimar ansetzt, so schenkelklopferisch geht er weiter. Merklich hat Spaß an der Freud' das Drehbuch mitgeschrieben – und das verträgt sich nicht mit dem vorzeitigen Verrat "überraschender" Details. Nur so viel also: Bis auf Sozialdiagnosen lässt es nichts aus, kein Wortspiel, keine billige Wendung." (red, 5.2.2017)

Und wie finden Sie den "scheidenden Schupo" aus Weimar? Diskutieren Sie mit in unserem "Tatort"-Forum:

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