Iran: Militärübung und Raketenstarts nach US-Sanktionen

4. Februar 2017, 10:01
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Vereinigte Staaten behalten sich Truppenaufstockung im Nahen Osten vor

Teheran/Washington – Der Iran reagiert mit einer großangelegten Militärübung auf die jüngsten Strafmaßnahmen der USA. Bei dem Manöver am Samstag kämen auch verschiedene Raketentypen zum Einsatz, teilten die Revolutionsgarden auf ihrer Internetseite Sepahnews mit.

Mit der Übung solle die Bereitschaft des Iran verdeutlicht werden, auf die "Bedrohungen" und die "erniedrigenden Sanktionen" der USA zu reagieren, erklärte die Eliteeinheit.

Laut der auf der Internetseite veröffentlichten Liste handelt es sich bei den eingesetzten Raketen um solche mit einer sehr kurzen Reichweite von 75 Kilometern. Getestet werden demnach auch Radarsysteme, Kommando- und Kontrollzentren sowie Strategien der Cyber-Kriegsführung. Die Übung findet demnach in der nordöstlichen Provinz Semnan statt.

Vergeltungsmaßnahmen angekündigt

Die US-Regierung hatte am Freitag neue Strafmaßnahmen gegen Teheran verhängt, wenige Tage nach dem Test einer iranischen Mittelstreckenrakete. Die Strafmaßnahmen betreffen 25 Firmen und Einzelpersonen im Iran und in China, die nach Einschätzung der USA das iranische Raketenprogramm und die Revolutionsgarden unterstützen.

Der Iran reagierte erbost und kündigte seinerseits Vergeltungsmaßnahmen gegen "US-Personen und -Firmen" an, die eine "Rolle bei der Gründung und Unterstützung von Terrorgruppen in der Region" gespielt hätten. Eine Liste mit Namen werde später veröffentlicht, hieß es.

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif schrieb am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter, Teheran werde "niemals einen Krieg anzetteln". Das Land sei unbeeindruckt von den Drohungen, denen es ausgesetzt sei. "Wir werden niemals unsere Waffen gegen irgend jemanden erheben, außer zur Selbstverteidigung", erklärte Zarif. "Wir werden sehen, ob diejenigen, die sich beschweren, dasselbe sagen können."

Keine Truppenaufstockung

Die USA planen nach den Worten von Verteidigungsminister James Mattis keine Aufstockung ihrer Truppen in Nahost als Reaktion auf die jüngsten Differenzen mit dem Iran. "Ich sehe zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass, die Zahl der Soldaten, die wir im Nahen Osten haben, zu erhöhen", sagte Mattis am Samstag bei einem Besuch in Japan.

Allerdings bestehe immer die Möglichkeit, es doch zu tun. "Im Moment ist es meiner Meinung nach aber nicht nötig."

Mattis sagte weiter, die USA hätten den Iran und seine Aktivitäten genau im Blick. Er bezeichnete das Land wie zuvor schon der neue Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA, Mike Pompeo, als "größten einzelnen staatlichen Unterstützer von Terrorismus in der Welt". Die USA würden den iranischen Kurs nicht mehr wie unter dem früheren Präsidenten Barack Obama ignorieren.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen zueinander unterhalten, haben seit Trumps Amtsantritt erheblich zugenommen. Der Iran ist eines der sieben Länder, die von dem US-Einreiseverbot betroffen sind, das Präsident Donald Trump in der vergangenen Woche verhängt hatte und das am Freitag von einem Bundesgericht in Seattle gestoppt wurde.

Trump hat wiederholt das von den fünf UNO-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland mit Teheran abgeschlossene Atomabkommen mit dem Iran kritisiert, das vergangenes Jahr nach jahrelangen Verhandlungen in Kraft getreten war. Es verpflichtet Teheran dazu, seine Urananreicherung drastisch zurückzufahren und verschärfte internationale Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug sollen die Strafmaßnahmen gegen das Land schrittweise aufgehoben werden. (APA, AFP, Reuters, 4.2.2017)

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