Mit Blue Chips und Start-ups bei der Ski-WM

3. Februar 2017, 18:20
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ÖSV-Sportdirektor Hans Pum hofft, dass Österreichs Teilnehmer bei der Ski-WM in St. Moritz in jeder Disziplin um Medaillen mitfahren. Man setzt auf die Erfahrenen, hofft auf die Jungen. Die WM wird am Montag eröffnet

"Wir haben einige Blue Chips und viele Start-ups", sagt Hans Pum. Der Sportdirektor des Österreichischen Skiverbandes bedient sich der Wirtschaftssprache, um das 27-köpfige ÖSV-Aufgebot für die 44. Skiweltmeisterschaften zu beschreiben. Als Blue Chips werden Unternehmen mit besonders hohem Wert bezeichnet. Ein Start-up steht noch am Anfang.

So gesehen sind Anna Veith, Marcel Hirscher und Hannes Reichelt Blue Chips. Das Trio hat vor zwei Jahren in Vail / Beaver Creek für vier Einzelgoldmedaillen gesorgt. Hinzu kam der Titel im Teambewerb. Mit fünfmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze war Österreich in den USA erfolgreichste Nation. Ein Ergebnis, das nun in St. Moritz schwer zu toppen ist. Aber was weiß man? "Wir fahren in die Schweiz, um gut abzuschneiden", sagt Pum. Die zahlreichen Start-ups, also die Debütanten und Debütantinnen (16), sind nicht chancenlos.

Das Team weist ein Durchschnittsalter von 25,5 Jahren auf. Jüngstes Mitglied im 14 Frauen und 13 Männer umfassenden Aufgebot ist die 19-jährige niederösterreichische Slalomspezialistin Katharina Gallhuber. Ältester ÖSV-Teilnehmer ist Super-G-Titelverteidiger Reichelt (36). Der Salzburger ist der Einzige im ÖSV-Team, der schon 2003, als die WM zuletzt in St. Moritz stattfand, dabei war. Damals schied Reichelt im Super-G aus. Zu seiner siebenten WM reist er in Topform an. Vor einer Woche gewann er die Weltcupabfahrt von Garmisch.

Starker Jänner

Nach zurückhaltendem Saisonstart (Ausnahme Hirscher) steigerte sich das ÖSV-Team in den vergangenen Wochen. Neben Reichelt sorgten Matthias Mayer (Super-G von Kitzbühel) und Max Franz (Abfahrt von Gröden) für Speed-Siege. Alle drei waren im Vorjahr mehr oder weniger lang außer Gefecht. Christine Scheyer gewann überraschend die Abfahrt von Zauchensee. Es war der bisher einzige Saisonsieg der ÖSV-Damen, die allerdings durch Ausfälle der Topläuferinnen Cornelia Hütter, Eva-Maria Brem und Carmen Thalmann geschwächt wurden. Pum: "Das war bitter." Zudem stürzten weitere Speedfahrerinnen. "Die Jungen", sagt Pum, "waren noch nicht so weit."

Auf Blue Chip Hirscher ist seit Saisonbeginn Verlass. Der 27-jährige Salzburger, Titelverteidiger in der Kombination, ist seit Wochen in Topform. Im Gesamtweltcup steht er vor seinem sechsten Erfolg in Serie. 14 Mal fuhr er in diesem Winter schon aufs Podest, viermal gewann er. Zuletzt siegte der 27-jährige Salzburger im Riesentorlauf von Garmisch. In dieser Disziplin war er noch nie Weltmeister. Im Super-G auch nicht – aber da zählt er nicht zu den Topfavoriten. Hirscher will in der ersten Herrenentscheidung am Mittwoch jedenfalls antreten.

Ziel: sechs bis acht Medaillen

Antreten will und wird Anna Veith (27) im Super-G (Auftaktbewerb am Dienstag) und im Riesentorlauf. In beiden Disziplinen hat die Salzburgerin als Titelverteidigerin einen Fixstartplatz. Über ein Antreten in der Abfahrt will sie kurzfristig entscheiden. Kombination und Teambewerb wird sie eher auslassen.

Seit der letzten WM ist viel passiert im Leben der Anna Veith (vormals Fenninger). Streit und Versöhnung mit dem ÖSV, die schwere Knieverletzung, der schwierige Weg zurück und die Hochzeit. Nach mehr als einem Jahr Pause gab Veith Ende Dezember ihr Comeback. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fuhr sie vor einer Woche im Super-G von Cortina als Dritte erstmals wieder aufs Podest. Pum: "Erfreulich."

Der Oberösterreicher hofft, dass die ÖSV-Athletinnen und -Athleten "in jeder Disziplin um die Medaillen mitfahren". Verbandspräsident Peter Schröcksnadel gab wie üblich sechs bis acht Medaillen als Ziel vor. Pum widerspricht nicht. Die Herren geben mehr Anlass zur Hoffnung. Außer in der Kombination gab es in jeder Disziplin wenigstens einen Saisonsieg.

Das Damenteam schaffte in diesem Winter bisher nur drei Podestplätze. Hier ist der Anteil der Debütantinnen besonders hoch (zehn von 14). Aber manchmal mutiert ein Start-up auch ganz schnell zu einem Blue Chip. (Birgit Riezinger, 3.2.2017)

  • Hans Pum reist guter Dinge nach St. Moritz.
    foto: apa/pucher

    Hans Pum reist guter Dinge nach St. Moritz.

  • Marcel Hirscher reist mit viel Selbstvertrauen zur WM in die Schweiz.
    foto: apa/stache

    Marcel Hirscher reist mit viel Selbstvertrauen zur WM in die Schweiz.

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