Herausforderer Schulz macht Merkel nervös

3. Februar 2017, 18:05
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Nach der Versöhnung will CSU die Kanzlerin im Wahlkampf nun doch unterstützen

Offiziell ist es ihnen im Berliner Kanzleramt völlig egal, dass der Herausforderer von Angela Merkel in diesem Wahlkampf nicht Sigmar Gabriel, sondern Martin Schulz heißt. Aber hinter vorgehaltener Hand räumt man schon ein, dass die Nervosität deutlich gestiegen ist, seit Schulz seinen Hut voller Elan in den Ring geworfen hat und sich das auch schon in den Umfragen auswirkt.

Im ARD-Deutschlandtrend liegt die SPD, die im Dezember noch bei 20 Prozent dümpelte, nun bei 28 Prozent. Das ist der beste Wert in dieser Legislaturperiode. Die Union ist nach wie vor stärkste Kraft, büßt aber drei Punkte ein. Bei der Frage nach einer Kanzlerdirektwahl lässt Schulz Merkel sogar hinter sich. Er kommt auf 50 Prozent, Merkel auf 34.

Dass es gegen Schulz nicht so einfach wird, gibt immerhin Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer zu. "Es ist für uns durch die Neuigkeit und durch das, was dadurch ausgelöst wird, ein Stück anspruchsvoller", sagt er. Der "Martin-Mania" der Sozialdemokraten will Seehofer am Sonntagabend und am Montag demonstrativ ein Unions-Ereignis entgegensetzen, auf das sich manche schon gar nicht mehr zu wetten getraut haben.

An diesen beiden Tagen kommen die Spitzen der CDU und der CSU in München zusammen und nominieren Angela Merkel zur Kanzlerkandidatin. Lange Zeit war unklar, ob es dieses "Versöhnungstreffen", wie es intern genannt wurde, überhaupt geben wird. Seehofer pocht ja nach wie vor auf eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr, Merkel weigert sich.

Shitstorm wegen Kuschelkurs

Doch es hat sich nun die Erkenntnis durchgesetzt: Versöhnung muss auch ohne Obergrenze gehen, man muss zusammenhalten. Daher spricht man sowohl in Berlin als auch in München nun lieber von einem "Zukunftstreffen", weil ja auch die Weichen für den Wahlkampf gestellt werden. Das gemeinsame Ziel von CDU und CSU wird lauten: Rot-Rot-Grün verhindern.

Seehofer muss allerdings für seinen neuen Kuschelkurs viel Kritik einstecken. Auf seiner Facebook-Seite ergoss sich ein Shitstorm. Tenor: Er solle gegenüber Merkel gefälligst Rückgrat zeigen und dürfe sich von ihr nichts diktieren lassen.

Seehofer sah sich daraufhin zu einer Klarstellung auf Facebook genötigt und schrieb: "Angela Merkel repräsentiert Deutschland nicht nur erstklassig, sondern führt auch auf internationaler Ebene. Auch wenn es noch unterschiedliche Meinungen bei der Obergrenze gibt, überwiegen die Gemeinsamkeiten bei weitem." (Birgit Baumann aus Berlin, 4.2.2017)

  • SPD-Kandidat Martin Schulz will CDU-Chefin Angela Merkel aus dem Kanzleramt vertreiben. Sie wird nun offiziell von der CSU unterstützt, am Montag ist Spitzentreffen.
    foto: imago

    SPD-Kandidat Martin Schulz will CDU-Chefin Angela Merkel aus dem Kanzleramt vertreiben. Sie wird nun offiziell von der CSU unterstützt, am Montag ist Spitzentreffen.

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