Als Amerika noch "gut" war: "24: Legacy"

6. Februar 2017, 06:04
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Am Sonntag startete der US-Sender Fox die Neuauflage von "24" – Corey Hawkins löst Kiefer Sutherland ab, wieder geht es um den Weltfrieden

Wien – Schlag zwölf Uhr Mitternacht geht es wieder los: Ein Tatort. Männer, die eine Wohnung verwüsten. Auf einem Sessel sitzt ein gefesselter, blutverschmierter Mann, im Zimmer mehrere Tote. Dazu alarmierendes Spannungssurren. Die Zeit läuft.

Es ist alles wieder da, die Digitaluhr, Splitscreens, bereits begangene sowie angekündigte und die Menschheit, mindestens die USA bedrohende Verbrechen, persönliche Verstrickungen, hektische Handytelefonie. 24: Legacy setzt dort an, wo 2001 das Original begann. Nur Kiefer Sutherland fehlt. In den USA startete am Sonntag ein Ableger der stilprägenden TV-Serie 24. Beim Abosender Sky geht die erste von 13 Folgen am 13. Februar auf Sendung.

24: legacy

Die Bösewichte sprechen Arabisch und sind auf der Jagd. Zur Strecke bringen wollen sie zunächst den ehemaligen Soldaten Eric Carter (Corey Hawkins), darüber hinaus droht – Überraschung! – ein Anschlag verheerenden Ausmaßes. Der ist Kriegsheimkehrer und trägt sein Pinkerl in Form eines fetten Kriegstraumas mit sich und bittet bald um Hilfe: Agenten der Counter Terrorist Unit, bitte kommen!

2001 der große Renner

2001 war die Echtzeitserie 24 der große Renner im damals noch jungen "goldenen Zeitalter des Fernsehens". CTU-Agent Jack Bauer gab einen intensiven Einstand, die Digitaluhr tickte mit, das Publikum verfolgte atemlos den Dauereinsatz für die Rettung der Menschheit. Aber nichts nutzt sich schneller ab als Innovation im Fernsehen. Nach neun Staffeln war Jack Bauer ebenso erschöpft wie das Publikum. Die Serie ging in wichtigtuerischen Posen unter, ungustiöse Folterszenen sorgten für kalkuliertes Aufsehen. In seinen besten Zeiten war 24 ein gut geschmiertes Räderwerk perfekt getimter Action und machte sich das ganze Potenzial seriellen Erzählens zunutze.

foto: fox

24: Legacy spielt mit netten Zitaten auf sich selbst an. Jimmy Smits war schon amerikanischer Präsident in der Politserie The West Wing. Seine Frau Rebecca, dargestellt von Miranda Otto, und an der Spitze der CTU, bedankt sich am Beginn für die Dienste ihrer ehemaligen Agenten. Kurz danach fliegen die Fetzen.

Eric Carter ist ein zerbrechlicherer Held als Jack Bauer, was ihn sympathisch macht. Geschrieben und produziert wurde 24: Legacy vom Originalteam Joel Surnow und Robert Cochran, zu einer Zeit, da ein US-Präsident Donald Trump unvorstellbar war. So gesehen hat das neue 24 fast nostalgischen Charakter: Als Amerika noch "gut" war. (6.2.2017)

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