Schildkröten merken sich erstaunlich lange, wo es was zu holen gibt

4. Februar 2017, 09:30
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Köhlerschildkröten erinnern sich auch nach eineinhalb Jahren noch an üppige Futterplätze

Lincoln – Die südamerikanischen Köhlerschildkröten sind grundsätzlich nicht zimperlich, was ihren Speiseplan angeht: Sie ernähren sich je nach Saison und Gelegenheit von Früchten, Gräsern, Wurzeln aber auch von Aas – was sie auf ihren Streifzügen durch das trocken Flachland, die Graslandschaften und angrenzende Waldregionen im tropischen Südamerika so finden.

Doch so beliebig, wie es im ersten Moment klingt, suchen die Tiere offenbar nicht drauf los, wie Forscher der Lincoln University nun berichten: Denn sie merken sich erstaunlich lange, wo sie was gefunden haben und vor allem welche Futterplätze besonders üppig waren.

"Die Schildkröten merken sich nicht nur, ob es wo in der Vergangenheit Futter gab oder nicht", sagte Anna Wilkinson von der Uni Lincoln. "Unsere Studie zeigt, dass sie sich auch an die Qualität und Quantität der Nahrung an bestimmten Orten über Zeiträume von mindestens 18 Monate erinnern können."

Doppelt nützliche Strategie

Für ihre Studie im Fachblatt "Biology Letters" führten die Forscher um Wilkinson Experimente mit Köhlerschildkröten durch, in denen sie bestimmte visuelle Reize (etwa bunte Blätter) mit unterschiedlichen Futterqualitäten beziehungsweise Mengen kombinierten. Die Tiere lernten schnell, wo ihre präferierte Nahrung zu finden war und wo es am meisten davon gab. Nach eineinhalb Jahren wiederholten die Forscher den Versuch mit den gleichen Tieren – und diese steuerten zielsicher ihre früher favorisierten Futterverstecke an.

Die Forscher schließen daraus, dass sich die Tiere bei der Futtersuche in freier Wildbahn stark von ihrem Erinnerungsvermögen leiten lassen. In einer Umgebung, in der Ressourcen saisonal sehr ungleich verteilt sind, sei das ein entscheidender Vorteil, so Wilkinson.

Und das dürfte nicht nur für die Schildkröten selbst gelten. Pflanzen, die den Reptilien bessere Nahrung bieten, profitieren ebenfalls davon: Sie erhalten mehr Besuch von den Köhlerschildkröten, die bei der Samenverbreitung eine wichtige Rolle spielen. (red, 4.2.2017)

  • Eine Teilnehmerin der Studie.
    foto: sophie moszuti

    Eine Teilnehmerin der Studie.

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