Piëch belastet Ex-VW-Chef Winterkorn in Dieselskandal

3. Februar 2017, 13:50
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"Spiegel": Ehemaliger Aufsichtsratschef sagte vor Staatsanwaltschaft aus, Winterkorn habe früher als eingeräumt vom Abgasskandal gewusst

Hamburg – Der im Groll bei Volkswagen ausgeschiedene frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch belastet in der Abgasaffäre einem Magazinbericht zufolge den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn. Piëch habe in einer ausführlichen Aussage bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig erklärt, Winterkorn habe früher als bisher eingeräumt von dem Dieselbetrug erfahren, berichtete der "Spiegel" am Freitag.

Piëch hat demnach ausgesagt, dass er selbst Ende Februar 2015 von einem Informanten den Hinweis erhalten habe, dass VW ein großes Problem in den USA habe, weil das Unternehmen mit einer Software die Abgaswerte manipuliere. Hinweise darauf hätten die US-Behörden bereits an VW weitergeleitet.

Laut "Spiegel" will Piëch Winterkorn damals darauf angesprochen haben. Doch der damalige VW-Chef habe ihm versichert, dass ein solches Papier aus den USA nicht existiere. Das soll Piëch den Ermittlern bei einer Befragung Ende vergangenen Jahres gesagt haben. Von der Staatsanwaltschaft war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. VW wollte den Bericht nicht kommentieren. Winterkorn selbst hat mehrfach beteuert, erst im September 2015 von den Manipulationen erfahren zu haben.

Ermittlungen gegen Winterkorn ausgeweitet

Die Staatsanwaltschaft hatte vor einer Woche erst die Ermittlungen gegen Winterkorn auf den Betrugsverdacht ausgeweitet. Demnach hatten sich "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" ergeben, dass Winterkorn früher als von ihm behauptet von der Betrugssoftware und ihrer Wirkung gewusst haben könnte. Dabei berief sich Staatsanwaltschaft auf eigene Zeugenvernehmungen und die Auswertung beschlagnahmter Dateien.

Winterkorn war kurz nach Bekanntwerden des Skandals zurückgetreten. Schon damals hatte er erklärt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Sollte sich herausstellen, dass er früher von dem Skandal wusste, hätten Anleger Argumente, um Schadenersatz für Kursverluste ihrer VW-Aktien zu verlangen.

Piëch "auf Distanz zu Winterkorn"

Volkswagen hatte vor knapp eineinhalb Jahren auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Dieselabgaswerte mit einer Software manipuliert zu haben. Diese erkennt, ob sich ein Wagen auf dem Prüfstand befindet, und hält nur dann die Stickoxidgrenzwerte ein. Im normalen Straßenverkehr ist der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches höher. Weltweit sind davon rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Aufarbeitung des Skandals kostet VW allein in Nordamerika bis zu 22 Milliarden Euro.

Piëch hatte im April 2015 dem "Spiegel" gesagt, er sei "auf Distanz zu Winterkorn". Damit löste er einen Machtkampf aus, den er am Ende verlor. Der Porsche-Enkel zog sich daraufhin von allen Ämtern aus dem von ihm über Jahrzehnte geprägten Autoimperium zurück. (Reuters, 3.2.2017)

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