Digitalisierung: Wie der Minister Jobs in Kleinbetrieben halten will

3. Februar 2017, 14:17
94 Postings

Infrastrukturminister Leichtfried will mit Weiterbildung direkt in den Betrieben gegensteuern – Fokus auf Niedrigqualifizierte

Die Datenbrille aufsetzen und in der virtuellen Realität üben, wie die neuen Produktionsabläufe im eigenen Betrieb funktionieren oder wie man sich verhalten soll, wenn's brennt, ganz ohne Angst vor Fehlern: Das wird Teil eines Weiterbildungsprogramms sein, mit dem Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) Arbeitsplätze in Österreichs produzierenden Unternehmen sichern will.

Das Programm "Fit 4 4" (sprich: Fit for four, eine Anspielung auf Industrie 4.0) hat ein Budget von fünf Millionen Euro und richtet sich an Menschen mit niedrigen Qualifikationen in Klein- und Mittelbetrieben, die vor allem einfache Routinetätigkeiten durchführen. Sie seien nämlich besonders gefährdet, wegen der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung ihren Job in absehbarer Zeit zu verlieren, sagt Leichtfried. Laut einer Studie des Infrastrukturministeriums handelt es sich dabei um rund 60.000 Menschen in Österreich.

Durch geförderte Fortbildung direkt im Betrieb sollen diese Menschen Kompetenzen erwerben, die sie im digitalisierten Produktionsumfeld benötigen. Ab Herbst können Unternehmen beim Austria Wirtschaftsservice (AWS) um Förderungen für die Weiterbildungen ansuchen.

Höheres Tempo, mehr Aufgaben

Grundlage des Projekts ist eine Studie der Prospect Unternehmensberatung, die vom Infrastrukturministerium, dem AWS und der Arbeiterkammer Wien in Auftrag gegeben wurde. Untersucht wurde, welche Kompetenzen Arbeitnehmer brauchen, um auch in Zukunft eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Fachkompetenzen seien natürlich nach wie vor wichtig, das Tempo werde aber insgesamt höher und die Anforderungen in den Betrieben vielfältiger, sagt Studienautorin Trude Hausegger. Deshalb müssten Arbeitnehmer flexibler werden, den gesamten Produktionsprozess verstehen und sich laufend weiterentwickeln.

Das Programm des Infrastrukturministeriums ist als Pilotprojekt angelegt. Im Sommer will man gemeinsam mit Bildungs- und Sozialministerium ein großes Qualifizierungspaket vorstellen. (Philipp Bauer, 3.2.2017)

  • Mit Virtual-Reality-Brillen sollen niedrigqualifizierte Arbeitnehmer neue Produktionsabläufe lernen.
    foto: apa/afp/bertrand guay

    Mit Virtual-Reality-Brillen sollen niedrigqualifizierte Arbeitnehmer neue Produktionsabläufe lernen.

Share if you care.