Wiener Hotel verletzte Foto-Urheberrechte: Vergleich erzielt

3. Februar 2017, 13:13
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Das Sofitel hatte Bilder eines Fotografen widerrechtlich auch Dritten angeboten. Sie wurden weltweit hundertfach verwendet

Wien – Sie dürften, wie es Branchenkenner formulieren, die teuersten Werbefotos Österreichs sein. Der österreichische Fotokünstler Klemens Horvath hat im Streit um umfassende Urheberrechtsverletzungen von sieben seiner Werke nach STANDARD-Informationen mit dem Wiener Hotel Sofitel (Accor-Gruppe) am Donaukanal eine außergerichtliche Einigung erzielt. "Über den Inhalt der Vereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Anzunehmen ist nach vorliegenden Erkenntnissen aber, dass es sich um eine hohe sechsstellige Summe oder um eine Millionensumme handelt.

Zur Vorgeschichte: Horvath produzierte im Jahr 2011 im Auftrag des Sofitel sieben Fotos. Zur Verfügung gestellt wurden sie dem Hotel zu Werbezwecken und für drei Jahre. Die Nutzung beschränkte sich laut Vertrag auf Österreich sowie auf "Internet / Broschüre / Anzeigen bis A5". Die Auftragssumme: rund 5.000 Euro. Horvath hoffte auf Folgeaufträge durch die Accor-Gruppe. Diese kamen aber nicht.

foto: klemenshorvath.com
Horvath fing mit seinen Werken das Flair des vom Pariser Architekten Jean Nouvel entworfenen Gebäudes am Donaukanal vis-à-vis vom Schwedenplatz ein.

Foto zufällig in Zeitung entdeckt

Im März des Vorjahrs entdeckte Horvath zufällig eines seiner Bilder groß abgedruckt in einer Schweizer Sonntagszeitung – DER STANDARD berichtete. Darauffolgende monatelange Recherchen brachten zutage, dass die Fotos weltweit in hundertfacher Ausführung erschienen sind: Internationale Modemagazine wie "Harper's Bazaar" waren genauso darunter wie Zeitungen ("New York Times", "The Telegraph", "El País"), Kundenmagazine (Finnair, Air Berlin, Aeroflot) sowie dutzende heimische Print- und Onlinetitel. Die Werke landeten laut Angaben von Horvaths Anwalt Georg Zanger weltweit zumindest auf 170 Covers.

Auch Hotel verwendete Fotos weiter

Auch die Hotelgruppe selbst verwendete die Fotos nach Ablauf der Werknutzungsfrist weiter. Dazu wurden sie hochauflösend Dritten zur Verfügung gestellt. In einem E-Mail-Angebot des Unternehmens heißt es, dass als Copyright nur "Sofitel Vienna Stephansdom" zu vermerken sei.

Zanger und Horvath machten das Sofitel auf die hundertfachen Urheberrechtsverletzungen aufmerksam. Ein Vergleichsangebot wurde auf eine Million Euro plus Gerichtskosten festgesetzt. Als "angemessenes Entgelt" wurden vonseiten des Hotels zunächst aber nur 300 Euro angeboten.

foto: klemenshorvath.com
Auch die Deckengestaltung der Schweizer Medienkünstlerin Pipilotti Rist – vor allem die charakteristische Decke im Restaurant Das Loft in der 18. Etage – wurde eindrucksvoll fotografiert.

Wenig später dürfte den Verantwortlichen doch das Ausmaß bewusst geworden sein: In einem umfassenden Generalvergleich wurden zunächst 400.000 Euro, dann 550.000 Euro angeboten – inklusive aller angefallenen Kosten und Gebühren. Das wurde abgelehnt. Zanger sagte im Juni 2016: "Alleine die Gerichts- und Anwaltsgebühren machen schon jetzt 120.000 Euro aus."

Täglich teilweise ein Dutzend Klagen

Seither wurden – über spezialisierte Bildersuchprogramme im Internet – zahlreiche weitere Veröffentlichungen gefunden. Nach Berichten des STANDARD sorgte der Urheberrechtsfall auch in Deutschland für Aufsehen.

Mehr als ein Dutzend Klagen wurden von der Kanzlei Zanger in Spitzenzeiten täglich eingebracht. Dazu kam auch eine Betrugsanzeige an die Staatsanwaltschaft, weil bei den Fotos laut dem Anwalt die Herstellerbezeichnung elektronisch entfernt wurde.

Mit dem vorliegenden Vergleich wurde laut Zanger der Streit "endgültig bereinigt und sämtliche Klagsschritte beendet". Der "Präzedenzfall" zeige aber sowohl die Chancen für Fotografen als auch die Risiken für Print- und elektronische Medien auf, die aus rechtswidrigen Verwertungen von Fotos entstehen können. Durch elektronische Fotosuchmaschinen werde es für Fotografen leichter, Verwertungen der Bilder weltweit feststellen zu können. (David Krutzler, 3.2.2017)

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