Angreifer von Pariser Louvre außer Lebensgefahr

4. Februar 2017, 13:06
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Er war niedergeschossen worden und kann noch nicht verhört werden. Die französische Regierung spricht von einem Terroranschlag

Paris – Böse Erinnerungen kehren nach Frankreich zurück. Erinnerungen an die drei großen Terroranschläge von 2015 und 2016 in Paris und Nizza. Allein schon wegen des prominenten Schauplatzes der jüngsten Attacke im Herzen von Paris. In einem unterirdischen Zugang zum Louvre-Museum und der Einkaufszone "Carrousel du Louvre" griff ein jüngerer Mann eine Patrouille mehrerer Soldaten mit einer Machete an. Ein Militär wurde am Unterarm verletzt; ein weiterer eröffnete darauf das Feuer auf den Angreifer, der zwei Rucksäcke trug. Eine von fünf abgegebenen Kugeln traf ihn in den Bauch, wie die Polizeipräfektur mitteilte. Ein Soldat wurde demnach an der Schädeldecke leicht verletzt.

Der Angriff dauerte nur Sekunden. Das Handybild einer chinesischen Touristin zeigt einen am Boden liegenden Mann sowie vier Soldaten. Zwei von ihnen sichern darauf eine Treppe gegen potenzielle andere Angreifer.

Anschlag mit "terroristischem Charakter"

Polizeipräfekt Michel Cadot erklärte später, der Täter habe "Allahu akbar" ("Allah ist groß") gerufen. Von diesem Ruf waren in Frankreich die meisten Terrorattacken der letzten Zeit begleitet gewesen. Premierminister Bernard Cazeneuve sprach von einem Anschlag mit "terroristischem Charakter". Er übertrug die Ermittlungen der Antiterrorabteilung der französischen Justiz.

Verhaftet wurde "vorübergehend" ein weiterer Mann, wie Präfekt Cadot mitteilte. Hinweise auf einen konzertierten Angriff gab es aber vorerst keine. Die zwei Rucksäcke enthielten entgegen erster Befürchtungen keinen Sprengstoff. Der Täter wurde ins Pariser Krankenhaus Pompidou eingeliefert und operiert. Er ist außer Lebensgefahr. Sein Zustand habe sich verbessert, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus Ermittlerkreisen erfuhr. Er könne jedoch noch nicht verhört werden.

Die Identität des Mannes sei noch nicht abschließend geklärt. Allerdings vermuten die Ermittler, dass es sich um einen 29-jährigen Ägypter handelt, der am 26. Jänner mit einem gültigen Visum von Dubai nach Paris gereist sei. Das im Visa-System hinterlegte Foto passe zum Angreifer.

Mehrere Tweets abgeschickt

Kurz vor seiner Attacke soll der Angreifer mehrere Botschaften im Onlinedienst Twitter versandt haben. Darin habe der Tatverdächtige Bezug auf die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) sowie die "Brüder in Syrien und die Kämpfer in der ganzen Welt" genommen, hieß es am späten Freitagabend aus ermittlernahen Kreisen.

Die Botschaften stammten von einem Twitter-Konto, das dem Verdächtigen gehören könnte. Von dem Konto aus wurden am Freitag, nur wenige Minuten vor dem Angriff, mindestens zehn Botschaften auf Arabisch veröffentlicht, wie die Nachrichtenagentur AFP feststellte. Unter anderem war darin auch die Rede von einer Reise von Dubai nach Paris am 26. Jänner – dies deckt sich mit dem Flug des Tatverdächtigen. (brä, APA, 4.2.2017)

  • Einsatzkräfte vor dem Louvre in Paris.
    foto: ap/thibault camus

    Einsatzkräfte vor dem Louvre in Paris.

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