"Pille danach" mit Levonorgestrel nicht immer wirksam

3. Februar 2017, 09:45
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Hat eine Frau vor der "Pille danach" bestimmte Medikamente eingenommen, kann die Wirksamkeit beeinträchtigt sein

Levonorgestrel-haltige Präparate und ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat werden in Österreich als "Pille danach" eingesetzt. Für die Levonorgestrel-Medikamente gibt es jetzt neue Anwendungsempfehlungen. Bei Einnahme bestimmter anderer Arzneimittel bis zu einem Zeitraum von vier Wochen vorher kann nämlich die Wirksamkeit beeinträchtigt sein.

Folgende Arzneimittel können die Wirksamkeit der "Pille danach" beinträchtigen: Barbiturate und andere Arzneimittel zur Behandlung von Epilepsie (zum Beispiel Primidon, Phenytoin und Carbamazepin), Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose (zum Beispiel Rifampicin, Rifabutin), ebenso Medikamente zur Behandlung von HIV/Aids (Ritonavir, Efavirenz). Schließlich gilt das auch für Mittel gegen Pilzinfektionen (Griseofulvin) und Phytopräparate mit Johanniskraut-Extrakten (Hypericum perforatum). Letztere werden gegen Depressionen eingenommen, teilte die AGES-Medizinmarktaufsicht mit.

Diese Arzneimittel können über die Aktivierung des Cytochrom P3A4-Enzyms (CYP3A4) zu einer starken Verringerung des Levonorgestrel-Spiegels führen und damit die "Pille danach" unwirksam machen. "Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) empfiehlt daher Frauen, die solche Arzneimittel innerhalb der vorangegangenen vier Wochen eingenommen haben und eine 'Pille danach' benötigen, als Notfall-Verhütungsmittel primär auf eine Kupferspirale zurückgreifen oder die doppelte Dosis Levonorgestrel, d.h. zwei Tabletten zusammen (zu je 1,5 Milligramm, also insgesamt drei Milligramm) einzunehmen", teilte die Behörde mit.

Verhinderung des Eisprungs

Ein Ausweichen auf Ulipristal ist nicht ratsam, da dessen Wirksamkeit bei vorher erfolgter Verwendung der CYP3A4-induzierenden Medikamente überhaupt um bis zu 90 Prozent herabgesetzt sein kann. Dies war aber auch schon bisher bekannt.

In Österreich sind folgende Arzneispezialitäten mit dem Wirkstoff Levonorgestrel in zum Teil unterschiedlichen Dosierungen je Tablette zugelassen: Vikela, Levodonna, Navela, Postinor und Velafam (dazu noch Ulipristal: EllaOne).

Levonorgestrel ist ein Notfallkontrazeptivum, das zur Vorbeugung einer ungewollten Schwangerschaft durch Einnahme innerhalb von 72 Stunden (drei Tagen) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Versagen einer Verhütungsmethode angewendet wird. Levonorgestrel wirkt hauptsächlich durch die Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs. Je früher das Arzneimittel nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen wird, desto wirksamer ist es. Es ist entweder als einzelne Tablette mit 1.500 Mikrogramm (1,5 Milligramm) Levonorgestrel oder als zwei Tabletten zu je 750 Mikrogramm Levonorgestrel erhältlich. (APA, 3.2.2017)

  • Frauen, die bestimmte Medikamente einnehmen, sollten zwei "Pillen danach" einnehmen oder auf andere Notfall-Verhütungsmittel zurückgreifen, rät das BASG.
    foto: apa/dpa/rolf vennenbernd

    Frauen, die bestimmte Medikamente einnehmen, sollten zwei "Pillen danach" einnehmen oder auf andere Notfall-Verhütungsmittel zurückgreifen, rät das BASG.

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