US-Wirtschaft verzeichnete just in Krisenregionen Wachstumsschub

3. Februar 2017, 08:39
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Viele Industriegebiete des sogenannten Rust Belt verzeichneten im dritten Quartal überdurchschnittliches Wachstum

Washington/Berlin – Die Enttäuschten, die Arbeitslosen, die aus der Mittelschicht Abgerutschten: Der Zuspruch aus solchen Milieus gilt als eine wichtige Ursache für Donald Trumps Wahlerfolg. Der enttäuschte weiße Mann aus dem "Rust Belt", dem "Rost-Gürtel", dem ehemaligen industriellen Kerngebiet im Mittleren Westen – so charakterisierten Wahlforscher den typischen Trump-Wähler.

Daten des Handelsministeriums in Washington von Donnerstag zeichneten jedoch ein anderes Bild: – Im dritten Quartal konnten etwa einige Staaten aus dem Rost-Gürtel beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) überdurchschnittlich zulegen. Dort, wo der Präsident besondere Einbußen der heimischen Wirtschaft – auch wegen ausländischer Konkurrenz – beklagt, scheint die Lage oft gar nicht allzu arg zu sein.

Viele Stimmen für Trump

Beispiel "Rost-Gürtel": Das alte Herz von Amerikas Schwerindustrie südlich der Großen Seen sprach Trump im Wahlkampf immer wieder an, versprach, dass es den Menschen dort unter ihm besser gehen werde. West Virginia, einst ein florierendes Kohle-Revier, sei ein Fall, in dem es längerfristig "nicht so rosig" aussehe, meint Galina Kolev, Konjunkturexpertin am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. "Dieser Staat war Ende 2008/Anfang 2009 vergleichsweise gut durch die Folgen der Finanzkrise gekommen – aber seit Ende 2009 geht es immer wieder nach unten", sagt die Ökonomin. "Das dürfte mit eine Erklärung für den großen Stimmanteil sein, den Trump dort bekommen hat." Er hatte den Kohlekumpels versprochen, ihre Minen wieder zu öffnen – eine politisch eher waghalsige Ankündigung.

Auch der Blick weiter nach Norden zeigt ein gemischtes Bild. In Pennsylvania, Ohio und Indiana – alles klassische Industriestandorte – gelangen kurzfristig Zuwächse von immerhin 3,3 bis 3,9 Prozent. Michigan, der Heimatstaat der einst glänzenden "Motor City" Detroit, konnte sein regionales BIP um 4,2 Prozent steigern. Gar nicht so übel, möchte man angesichts einer Rate von 3,5 Prozent für die gesamten USA als weltgrößte Volkswirtschaft im dritten Jahresviertel 2016 denken

Wachstumsprimus South Dakota

Besonders stark sticht ausgerechnet das strukturschwache, landwirtschaftlich geprägte South Dakota heraus, wo noch ein guter Teil der Bevölkerung einem Stamm der Sioux-Indianer angehört oder von ihnen abstammt: Es verzeichnet die größte Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vom zweiten zum dritten Quartal 2016 – plus 7,1 Prozent.

Die Zahlen zeigen jedoch auch, dass es in einigen Regionen kaum voranging. So finden sich in der Übersicht Wyoming mit nur plus 0,3 Prozent und New Mexico, wo die Wirtschaft im Quartalsvergleich im dritten Jahresviertel 2016 sogar um 0,1 Prozent leicht schrumpfte.

Solche Differenzen zwischen dem Wachstum einzelner Gegenden seien in einem Land von der Größe der USA ganz normal, erklärt Kolev. "Die Regionen haben auch unterschiedliche Ausgangsniveaus." In kurzer Frist – von Quartal zu Quartal – sei die Aussagekraft der Werte zwar relativ gering. Betrachte man längere Zeiträume, nehme sie aber zu.

Der unterschiedlichen Entwicklung in den US-Regionen kommt derzeit eine besondere Bedeutung zu, weil der neue Präsident Donald Trump vor allem in abgeschlagenen Gebieten die Wirtschaft stärker fördern will. Diesen sollen auch die umstrittenen Handelsschranken zugutekommen. (APA, red, 3.2.2017)

  • Hier setzt der Aufschwung an: In den kriselenden Industrieregionen – im Bild Johnstown, Pennsylvania – war schon vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsident ein Wachstumsschub zu verzeichnen.
    foto: apa/afp/dominick reuter

    Hier setzt der Aufschwung an: In den kriselenden Industrieregionen – im Bild Johnstown, Pennsylvania – war schon vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsident ein Wachstumsschub zu verzeichnen.

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