Schwedische Wallenberg-Gruppe landete Software-Coup in Wien

3. Februar 2017, 07:18
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Der Fonds des Wallenberg-Clans verkaufte die IT-Gruppe Automic um 600 Millionen

Wien – Der Wallenberg-Clan ist mit seinen Beteiligungen an Electrolux, ABB, AstraZeneca und vielen anderen mehr in Schweden ein Riese. Über das Vehikel Investor AB kontrolliert die ursprünglich aus dem Finanzbereich kommende Dynastie mehrere Schlüsselindustrien des Landes. Schon seit 1994 haben sich die Wallenbergs dem Risikokapital verschrieben und beteiligen sich über EQT Partners an Start-ups und etablierten Unternehmen.

Kuoni, SAG und Siemens Hörgeräte (jetzt Sivantos) zählen zu den bekannteren Gesellschaften, an denen die Venture-Kapitalgruppe beteiligt ist. Ingesamt wurden mit 21 Fonds bereits 30 Milliarden Euro eingesammelt, womit die Schweden zu den größten europäischen Risikokapitalfonds gehören. Es gibt freilich auch weniger illustre Unternehmen, die mit Wallenberg-Geld groß wurden und werden. Eine von ihnen: die auf Business Automation spezialisierte Softwareschmiede Automic, bei der EQT 2012 eingestiegen ist. Im niederösterreichischen Wolfsgraben von Franz Beranek als SBB gegründet, wurde die Firma später in UC4 Software umbenannt.

Mit den Schweden als neuen Eigentümern kamen Internationalisierung und ein abermals neuer Name: Automic. Kürzlich ist EQT ausgestiegen. Der Kaufpreis, den CA Technologies hinblätterte, ist beeindruckend: rund 600 Millionen Euro. Für den Verkäufer bedeutete das seit dem Einstieg eine Rendite von 30 Prozent im Jahr, wie EQT-Partner Per Franzén im Gespräch mit dem Standard erklärt. Erreicht worden sei diese Entwicklung mit dem klaren Fokus auf Wachstum. Automic übersiedelte nach Wien, kaufte zu und baute den Vertrieb stark aus.

Schnelle Datenübermittlung

Zupass kam dem Unternehmen dabei der steigende Kostendruck der Kunden. An Wal-Mart etwa wurde ein System verkauft, das Daten über Preisänderungen im zehnfachen Tempo als zuvor an die Kassen in den Supermärkten schickte. Vodafone UK vereinfachte verschiedene historisch gewachsene Kundendateien mithilfe der Automic-Software, schildert der im Münchner EQT-Büro ansässige Österreicher Matteo Thun-Hohenstein. 100 teilweise manuelle Vorgänge seien dadurch auf einen reduziert worden. Mit einer Verdoppelung des Umsatzes auf 130 Millionen Euro sei das Unternehmen heute Weltmarktführer in der Softwareautomatisierung. EQT habe diese Stärke, das "Schweizer Messer", bei der Analyse des Unternehmens entdeckt, meint Thun-Hohenstein.

Den Ausbau der Beteiligungen sieht man bei der Investorengruppe als besondere Stärke. Im Unterschied zu anderen Fonds, die stärker auf die Kosten oder den schnellen Weiterkauf setzten, sei EQT langfristig orientiert und stelle Wachstum in den Mittelpunkt, sagt Franzén.

Expansionspläne

Nach dem lukrativen Exit ist der Appetit auf mehr gewachsen. Österreich verfüge über viele weniger bekannte Perlen, "hidden champions", wie das die Beteiligungsprofis nennen. Dabei interessiert sich EQT nicht nur für digitale Vorreiter, sondern auch für klassisches Business. Im Portfolio stecken beispielsweise auch Müllverbrennungsanlagen oder Kindergärten. Franzén hofft, die Gruppe mit dem Automic-Deal für heimische Konzerne oder Familienunternehmen deutlich sichtbarer gemacht zu haben.

Kapital dürfte ausreichend vorhanden sein. Allein für Start-ups wurde im Vorjahr ein Fonds mit einem Volumen von 566 Millionen Euro aufgelegt, erste Engagements – darunter in das deutsche Portal für Ferienwohnungen Holidu – sind bereits erfolgt. (Andreas Schnauder, 3.2.2017)

  • Per Franzén sieht in Österreich noch viel Geschäftspotenzial.
    foto: eqt

    Per Franzén sieht in Österreich noch viel Geschäftspotenzial.

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