Super Bowl in Zeiten des Cholerikers

3. Februar 2017, 08:22
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Ob erwünscht oder nicht, auch das 51. Endspiel der National Football League steht im Zeichen der neuen Machtverhältnisse in den USA. Bis zum Ankick und vielleicht wieder in der Halbzeit ist Donald Trump ein Thema

Houston/Wien – Selektive Schmähstadheit begleitet die Vorbereitungen auf das lauteste Spektakel, das der Sport weltweit zu bieten hat. Donald Trump, ausgerechnet, ist für die Protagonisten der 51. Super Bowl kein Thema. Selbst Roger Goodell, der Chef der National Football League (NFL), nahm vor dem Endspiel zwischen den New England Patriots und den Atlanta Falcons am Sonntag in Houston, Texas zum Wirken des 45. US-Präsidenten nur schaumgebremst Stellung.

Zwar stellte der 57-Jährige für nächste Saison ein Spiel in Mexiko-Stadt in Aussicht, da es der Liga ein Anliegen sei, Brücken, nicht Mauern zu bauen. Fragen nach den erlassenen Einreisebeschränkungen umschiffte Goodell aber mit der Bemerkung, dass die Super Bowl ein Event sei, das die Menschen zusammenbringe, nicht trenne.

First-Fan-Furor

Mit den Umgangsformen des Präsidenten ist der Sohn des ehemaligen republikanischen Senators Charles Goodell bestens vertraut. Einen "dummen Typen", "schwach" und "Trottel" nannte Trump den Sportfunktionär im Zuge von Deflategate, der Affäre um zu weich aufgepumpte Bälle beim Conference-Finale zwischen den New England Patriots und den Indianapolis Colts im Jänner 2015. Goodell drängte auf eingehende Untersuchungen und die Bestrafung von Tom Brady, dem Quarterback der damals für die Bälle zuständigen Patriots, der dann auch für die ersten vier Spiele der nun zu beendenden Saison gesperrt worden war.

Dass Brady Trump zu seinen Freunden zählt (oder umgekehrt), war Goodells Pech. Der 39-jährige Superstar, der am Sonntag in seinem siebenten Endspiel zum fünften Mal die Super Bowl gewinnen und zum alleinigen Rekordsieger aufsteigen kann, gibt auf Fragen nach dem First Fan gar nicht mehr Antwort. Coach Bill Belichick, ebenfalls zum siebenten Mal in der Super Bowl und auch mit Trump auf Du und Du, zog sich auf den Standpunkt zurück, dass er sein Team auf das Spiel gegen die Falcons vorzubereiten habe: "Darauf liegt meine ganze Aufmerksamkeit", Belichick ist damit auch gut beraten. Schließlich gilt die Offensive der Falcons als die derzeit stärkste der Liga. Perfekt von Quarterback Matt Ryan (31) gemanagt, hat Atlanta in der abgelaufenen Saison 540 Punkte, also 33,8 pro Spiel, erzielt. Die Defensive der Patriots ließ wiederum durchschnittlich nur 15,7 Punkte zu

Elis wohlfeiler Rat

Ryan hat sich darum vor seinem ersten Super-Bowl-Auftritt, dem zweiten Atlantas nach 1999, mit den Manning-Brüdern Peyton und Eli unterhalten. Peyton Manning hatte seine Karriere im Vorjahr nach dem Titelgewinn mit den Denver Broncos beendet, Eli hatte den Patriots mit den New York Giants 2008 und 2012 deren bisher letzte Super-Bowl-Niederlagen zugefügt. Der beste Ratschlag, ein ziemlich wohlfeiler, sei von Eli Manning gekommen. Ryan: "Wir müssen dem vertrauen, was wir tun."

"Matty Ice" Ryan hat in zwei Spielen gegen New England noch nie gewonnen, "Tom Terrific" Brady in vier gegen Atlanta noch nie verloren. Der Respekt der beiden voreinander ist groß, das haben sie beim ersten Medientermin der Super-Bowl-Woche mittels herzlicher Umarmung demonstriert.

Spätestens wenn George H. W. Bush zusammen mit seiner Frau Barbara die Super Bowl mit dem Münzwurf einläutet – der 92-jährige Ex-Präsident, vor kurzem wegen einer Lungenentzündung noch auf der Intensivstation, entscheidet unter anderem darüber, welches Team den Anstoß ausführt –, ist das Thema Trump vorerst einmal wieder erledigt. Mit Anbrechen der Halbzeitpause könnte es allerdings mit aller Macht in dem 71.500 Zuschauerr fassenden NRG Stadium zu Houston Einzug halten.

Houston, ein Problem

Der Top-Act der Halbzeitshow, die seit 1991 von Popstars geschmückt wird, ist nämlich Lady Gaga. Die Künstlerin, die im Vorjahr anlässlich der 50. Super Bowl in Santa Clara, Kalifornien "The Star-Spangled Banner" zum Besten gab, plant Medienberichten zufolge, ihre Show auf dem Dach der Arena zu beginnen und dann an den Füßen aufgehängt über dem Spielfeld zu baumeln. Groß ist die Sorge der Veranstalter, dass die New Yorkerin auf der größten Bühne der Welt – mehr als 100 Millionen TV-Zuschauer allein in den USA, rund 800 Millionen weltweit – auch ein deutliches politisches Statement abgibt.

Einem totalen Eklat ist aber schon seit 13 Jahren vorgebeugt. Wegen des sogenannten Nipplegate – 2004, zufällig in Houston, entblößte Justin Timberlake während der Halbzeitshow die rechte Brust von Sangeskollegin Janet Jackson – wird die Super Bowl ja mit fünf Sekunden Verzögerung ausgestrahlt, um im Fall des Falles rechtzeitig für Mattscheiben sorgen zu können. (sid, red, 3.2.2017)

  • Es geht um die Vince Lombardi Trophy.
    foto: usa today sports/kirby lee

    Es geht um die Vince Lombardi Trophy.

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    foto: apa
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