Buntbarsche klären ihre Rangordnung durch Urinieren

2. Februar 2017, 16:41
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Offenbar helfen Duftstoffe im Urin der Fische dabei, Kontrahenten richtig einzuschätzen

Wien/Bern – Löwen brüllen, um anderen zu imponieren, Hirsche tragen dazu große Geweihe. Gorillas trommeln auf ihre Brust. Buntbarsche können all das nicht, doch auch sie haben einen Weg gefunden um gewaltlos zu klären, wer stärker ist: Nämlich indem sie um die Wette ins Wasser pinkeln, wie ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachmagazin "Behavioral Ecology and Sociobiology" berichtet.

Die Wissenschafter um Dario-Marcos Bayani von der Universität Bern haben Buntbarsche (Neolamprologus pulcher), die vom Tanganjikasee in Afrika stammen, paarweise, aber durch transparente Wände getrennt, in Becken gesetzt. Die Tiere konnten einander also sehen, aber nicht berühren oder gar miteinander kämpfen. Das wäre auch unfair gewesen, denn ein Fisch war stets deutlich größer als der andere. Die Trennwand war entweder massiv, so dass die beiden keine chemischen Signale austauschen konnten, oder durchlöchert. Außerdem hatten die Forscher den Fischen zuvor Farbstoff verabreicht, damit ihr Urin im Wasser sichtbar war.

Schubweise Entleerung

Wenn die zwei Fische einander erblickten, folgten fast unmittelbar Scheinangriffe und Drohgebärden, berichten die Verhaltensforscher. Außerdem entleerten sie schubweise ihre Blasen. Die größeren Exemplare hatten freilich jeweils das größere Organ und konnten damit öfter Urin absetzen. Wenn diese Geruchssignale durch eine löchrige Zwischenwand unter den Konkurrenten ausgetauscht werden konnten, war die Sache viel rascher geklärt, als wenn die Wand dicht war.

Mit Trennwand pinkelten die dominanten Fische mehr, vermutlich, weil die anderen nicht adäquat mit Kapitulation reagierten. Die kleineren Barsche führten dann wiederum öfter Angriffe in Richtung der Kontrahenten aus, weil sie deren Größe wohl nicht gut erkennen konnten.

Hormon im Verdacht

"Die Fische sahen einander zwar, aber offensichtlich reichte dies nicht aus, um die potenziellen Gegner richtig einzuschätzen", erklärte der österreichische Biologe Michael Taborsky, der an der Uni Bern forscht. Sie bräuchten offensichtlich auch die Geruchsstoffe als Information. Wenn das Signal des Konkurrenten beeindruckend ist, wie eine große Duftmarke bei den Buntbarschen oder zum Beispiel ein mächtiges Geweih bei Hirschen, dann sei das wohl sehr beeindruckend für das jeweils schwächere Tier, sagte er. Dadurch eskaliere eine Auseinandersetzung nicht, und die beiden können die Rangverhältnisse rasch und ohne Kampf klären.

Welche Bestandteile des Urins als Signalstoffe fungieren, ist allerdings noch unklar, so der Forscher. In einer früheren Arbeit hat Taborsky mit Kollegen aber schon herausgefunden, dass die Fische Zwischenprodukte des Testosteron-Stoffwechsels ausscheiden, wenn sie einen potenziellen Konkurrenten sehen. Möglicherweise sind es also Substanzen, die mit diesem Geschlechtshormon in Verbindung stehen, die der Kommunikation mit Kontrahenten dienen. (APA, 2.2.2017)

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