"Santa Clarita Diet": Einmal Leber ohne Mayo

3. Februar 2017, 08:00
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Drew Barrymore hat in der Netflix-Comedy ab Freitag Lust auf Menschenfleisch

Wien – "Working with you today / so your family can enjoy tomorrow." Es sind Sätze, wie diese, die einem den Job verleiden können. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, lautet die Devise, deren Inhalt sich manche Menschen mehr, andere weniger verpflichtet sehen.

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In der Immobilienbranche ist der Spaß generell enden wollend, das bringt der Beruf so mit sich. Ganz besonders im Fall der Maklerin Sheila Hammond, die in Ausführung ihrer Tätigkeit vor versammelter Kundschaft das zum Verkauf stehende Luxusobjekt nicht in den höchsten Tönen lobt, sondern es mit explosivem Strahl vollkotzt. Vergnügen ist das keines. Dabei ist das erst der eruptive Anfang der an Entäußerungen reichhaltigen Netflix-Comedy Santa Clarita Diet.

Leben ausgehaucht

Denn Sheila, gespielt von Drew Barrymore, hat mit dem Brechanfall zugleich ihr physisches Leben ausgehaucht. Kein Herzschlag mehr, der Gatte Joel ist in Trauer, aber nur kurz, denn Sheila wird munter, und nicht nur das.

Die bis dahin knochentrockene Gemahlin hat scheinbar neues Leben in sich, und fortan gehen eigenartige Dinge vor im Hause der Hammonds. Sheilas Herz schlägt nicht, aber Sheila fühlt sich trotzdem bestens, sie blutet nicht, wenn sie sich schneidet, aus der Wunde dringt teerartige Flüssigkeit. Sie isst gern Rohfleisch, ist merkwürdig euphorisch, und das Komischste: Sie hat plötzlich Lust auf Sex!

Tot und untot gleichzeitig

Tot und untot gleichzeitig, lautet die Diagnose. Kein Wunder bei dem Dasein, das sie in ihrer miefigen Kleinstadtidylle fristete. Und das ist auch der Spaß an Santa Clarita Diet: Praktisch jede Regel spießigen Kleinstadtzusammenlebens wird aufs Korn genommen, und wenn sie sich nicht brechen lässt, wird sie einfach gefressen, und das sind nicht nur die dicken Finger des schmierigen Aufreißers. Barrymores komödiantisches Talent sticht einmal mehr. Hier tritt sie zum ersten Mal in einer Fernsehserie auf. Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft sein.

foto: netflix

Was Netflix hier mit Barrymore, Timothy Olyphant als treu liebendem Ehemann und Liv Hewson als verständiger Tochter Abby anstellt, hat etwas mit der guten, alten Bewitched-Romantikwelle zu tun, die recht abgetretene Pfade wiederbelebt und den Zeiten entsprechend anpasst: Das Exotentum der Hexe zieht mittlerweile zu wenig, heute muss es schon ein Zombie mit Lust auf Menschenfleisch sein, der mit faden Mittelständlern kurzen Prozess macht. Zugegeben: Santa Clarita Diet ist phasenweise sehr albern. Aber was soll's? Man lebt ja nur einmal. (Doris Priesching, 3.2.2017)

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