"Diluvion" im Test: Steampunk-Apokalypse unter Wasser

3. Februar 2017, 09:34
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Das bildschöne Tiefsee-Abenteuer "Diluvion" ist eine Tauchfahrt für Geduldige

Jules Verne hätte seine Freude an dieser Postapokalypse: In der Welt von "Diluvion" (Windows, Mac, 19,99 Euro) hat eine Katastrophe die Menschheit von der Oberfläche des Planeten in die Tiefsee vertrieben. Meterdickes Eis verhindert jedes Auftauchen – und die Zivilisation unter Wasser steckt irgendwo in einer Steampunk-Version des 19. Jahrhunderts. Als frischgebackener Uboot-Kapitän haben Spielerinnen und Spieler ein großes Ziel vor Augen: Zum tiefsten Punkt des Meeres abzutauchen, um dort vielleicht die rettende Technologie zu finden, die die Menschheit zum Überleben braucht.

Bis es so weit ist, ist allerdings einiges an Arbeit nötig, denn das Anfänger-Uboot,mit dem das Abenteuer beginnt, ächzt schon nach wenigen Tiefenmetern unter dem zu großen Wasserdruck. In einer offenen Spielewelt macht man sich so auf die lange Suche nach der Technologie und dem Personal, um irgendwann das große Ziel zu erreichen. "Diluvion" verknüpft einige Genres zu einem schillernden Ganzen, das vor allem durch seine Atmosphäre lebt. Die Steuerung des Uboots erfolgt aus der Third-Person-Perspektive von schräg hinten, Sauerstoff, Munition und Schaden müssen dabei ebenso gemanagt werden wie das Personal. Außer in den Kämpfen mit Piraten oder Unterwassergetier ist der Tauchgang eher geruhsam: Beim langsamen Gleiten vorbei an lange versunkenen Schiffsleichen oder durch Tiefseegräben kommt wegen der Schönheit dieser Welt durchaus Begeisterung auf.

Atmosphäre und langsamer Einstieg

Beim Betreten fremder Schiffe oder Unterwasser-Stationen wechselt das Spiel kalifornischer Entwickler in eine von Hand gezeichnete 2D-Ansicht, in der sich die Geschichte entspinnt und eine Vielzahl an kauzigen Charakteren tummelt. An die sprühende Fantasie des thematisch verwandten Ausnahme-Abenteuers "Sunless Sea" kommt die Welt von "Diluvion" nicht heran, aber trotzdem ist ihr die Liebe in vielen Details anzumerken.

Es ist ein wenig schade, dass sich "Diluvion" besonders am Anfang etwas zu viel Zeit lässt, um Fahrt aufzunehmen. Bis das erste Upgrade des Schiffes gefunden ist, müssen eine wenig inspirierte Sammelquest absolviert und mit dürren Auskünften mühsam Wege durchs verwirrend verwinkelte Meer gesucht werden. Das Fehlen eines Navigationssystems sorgt zwar für ein deutliches Mehr an Atmosphäre, ist aber wegen allzu schnell zur Neige gehender Sauerstoffvorräte gerade zu Beginn oft schuld an desorientierten Frustmomenten – auch, weil die als Orientierungshilfe gedachten goldenen Fischschwärme hin und wieder in die Irre leiten..

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Trailer zu "Diluvion"

Für Entdecker und geduldige Tiefseeforscher

Das ist besonders deshalb bedauerlich, weil sich nach diesem etwas zähen Einstieg eine Welt eröffnet, die durchaus den Besuch wert ist. Während ausgerechnet das erste der drei erforschbaren Gebiete mit seinen Reizen geizt und für Frust sorgen kann, überzeugen die beiden anderen mit unheimlicher Tiefseestimmung und spannenden Tauchgängen. Für Spielerinnen und Spieler mit Freude am Entdecken bietet "Diluvion" eine große Spielwiese, die besonders durch ihre ganz eigenständige Ästhetik und dichte Atmosphäre besticht. Dass auch eine eigene Meeresbasis gegründet und ausgebaut werden kann, gibt dem steten Suchen und Plündern versunkener Schätze auch abseits der Story nochmals einen eigenen Motivationsschub.

Wer die Geduld aufbringt, den gemächlichen Einstieg zu überwinden und sich von seiner Unterwasserwelt weder rasante Action noch Simulationsanteile erwartet, findet in "Diluvion" ein faszinierendes Uboot-Abenteuer mit origineller und absolut eigenständiger Welt und, in seinen stillen Momenten, wunderschöner Tiefsee-Atmosphäre. (Rainer Sigl, 3.2.2017)

Update: Die Entwickler haben soeben auf die von mehreren Rezensenten geäußerte Kritik am Navigationssystem reagiert und in einem Patch die Möglichkeit zur Orientierung wesentlich verbessert.

"Diluvion" ist für Windows und Mac für 19,99 Euro erschienen.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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