Dokumentarfilm über Landraub: "Neue Welle des Kolonialismus"

    5. Februar 2017, 09:00
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    Ein Film von Kurt Langbein über Landgrabbing "Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland" am 5. Februar um 23.05 auf ORF 2

    Wien / Phnom Penh – Zwischen riesigen Reisfeldern brennen Häuser aus Holz und Stroh. Rauchwolken steigen auf. Die ehemaligen Bewohner der brennenden Häuser rennen durcheinander und schreien vor Verzweiflung. Soldaten halten die Menschen fern, während Frauen und Kinder dabei zusehen müssen, wie ihr Zuhause in Flammen aufgeht.

    "Es ist hart. Sie haben mir mein ganzes Reisfeld genommen. Ich habe nichts mehr", erzählt eine Betroffene: "Wir haben uns nie getraut zu protestieren. Was sie nehmen wollen, nehmen sie ohnehin", erzählt eine Betroffene.

    Der Dokumentarfilm "Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland" von Kurt Langbein am Sonntag, den 5. Februar um 23.05 Uhr auf ORF 2, setzt sich mit dem Thema Landgrabbing auseinander. Das Problem ist evident: In Europa ist nicht mehr genug Platz für Ackerbau. Klima und Boden sind laut Experten anderswo besser.

    Ausbeutung in verschiedenen Ländern

    In Kambodscha folgt Langbein Venerable Luon Sovath, einem buddhistischen Mönch, der sich dafür einsetzt, dass die von einem vietnamesischen Zuckerrohrkonzern brutal vertriebenen Grundbesitzer ein neues Zuhause und Nahrung bekommen. "Nachdem die Behörden die Häuser abgebrannt hatten, hatten die armen Bauern keine Häuser mehr", sagt er. "Deshalb haben die Mönche ihnen gestattet, im Kloster zu leben."

    In Rumänien erzählt Bauer Valentin Kovacs, wie schwierig es für ihn als Kleinbauer ist, in der jetzigen wirtschaftlichen Situation zu überleben. Denn auch hier kaufen viele internationale Großkonzerne Felder und vertreiben somit allmählich die Kleinbauern. "Ich weiß nicht, wie der dänische Investor dieses Grundstück über Nacht erwerben konnte", sagt Kovacs. "Ich bin mir sicher, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging."

    Regenwaldrodungen

    In Indonesien herrschen perfekte Bedingungen für Palmenplantagen, intensives Sonnenlicht, warmes Klima und genug Niederschlag. Bei Palmöl ist der Ertrag sehr viel höher als bei herkömmlichen Ölen wie Rapsöl. Palmöl wird für immer mehr alltägliche Produkte wie Lebensmittel, Kosmetik und Waschmittel verwendet. Um noch mehr zu produzieren, werden riesige Flächen Regenwald für neue Plantagen gerodet. Die Palmenreihen erstrecken sich über die ganze Landschaft, die Arbeiter stehen in Reih und Glied, bevor sie zu ihrem Arbeitsplatz transportiert werden. "Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine Plantage ist die Fähigkeit, millionenmal dasselbe zu tun. Routine und Disziplin sind sehr wichtig beim Personal", so John Hartmann, Manager von Tropical Oil, Cargill.

    Jeder Eingriff hat seine Folgen, diese kommen im Film klar zum Ausdruck. Einerseits die Investoren, die nur Vorteile beim Landraub sehen, und die Opfer, denen dadurch alles entrissen wird. Der deutsche Agrarwissenschafter Felix zu Löwenstein sieht Landraub als "eine neue Welle des Kolonialismus", wieder nehmen die reichen Staaten den Armen ihr Land.

    Langbeins Film besticht durch sorgfältige Recherche, seine Enthüllungen wühlen auf. Er zeigt, dass die Verantwortlichkeiten oft im Westen zu Hause sind, der sich weiterhin gedankenlos enthemmtem Konsum hingibt. Doch, und das ist die gute Nachricht: Widerstand regt sich. (Hannah Kogler, 5.2.2017)

    "Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland", Sonntag, 5. Februar, um 23.05 Uhr auf ORF 2

    • ORF-Doku über Landraub: In Äthiopien erntet Arbeiterin Almengema Alemayoh Tomaten im Gewächshaus des Gemüsebauers Jan Prins.
      foto: orf/langbein & partner

      ORF-Doku über Landraub: In Äthiopien erntet Arbeiterin Almengema Alemayoh Tomaten im Gewächshaus des Gemüsebauers Jan Prins.

    • Eine Palmölplantage in Malaysia.
      foto: orf/langbein & partner

      Eine Palmölplantage in Malaysia.

    • Regisseur Kurt Langbein mit Bauern in Sierra Leone.
      foto: orf/langbein & partner

      Regisseur Kurt Langbein mit Bauern in Sierra Leone.

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