Deutsche Bank auch 2016 tiefrot: Erneuter Milliardenverlust

2. Februar 2017, 07:41
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Minus wesentlich größer als erwartet – Ausgaben für Gehälter und Boni sanken um mehr als eine Milliarde Euro

Frankfurt – Die Deutsche Bank lässt ein weiteres Sanierungsjahr hinter sich. Unter dem Strich stand 2016 ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro, weil der Umbau und etliche große Rechtsstreitigkeiten erneut auf die Bilanz drückten. Außerdem kämpfte Deutschlands größte Bank zum Jahresende weiter gegen einen Vertrauensverlust der Kunden an, die Milliarden abzogen. "Unsere Ergebnisse des Jahres 2016 spiegeln sowohl den konsequenten Umbau der Bank als auch die Marktturbulenzen rund um unser Haus wider", zog Vorstandschef John Cryan am Donnerstag Bilanz. Nun schaue man nach vorn, der Start ins neue Jahr sei vielversprechend gewesen.

Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich einen Nettoverlust von rund 700 Millionen Euro erwartet. Dennoch: 2015 hatte noch ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro zu Buche gestanden. Hauptgrund für den neuerlichen Verlust ist der milliardenschwere Hypothekenvergleich in den USA. Vor Steuern belief sich das Minus auf 0,8 Milliarden Euro.

Radikales Aufräumen

Cryan, der im Sommer 2015 angetreten war, hatte stets klargemacht, dass er auf Sicht von zwei Jahren keine großen Gewinne erwartet, sondern stattdessen radikal aufräumen will. Er drückte Abschreibungen auf das Kerngeschäft durch, trennte sich auch mit Verlust von Beteiligungen und beschleunigte die Vergleichsverhandlungen bei wichtigen Rechtsstreitigkeiten. In letzterem Punkt konnte er zuletzt wichtige Erfolge vermelden, weil zwei große Brocken abgeräumt wurden, die allerdings viel Geld kosteten: Für Tricksereien auf dem US-Hypothekenmarkt zahlt die Deutsche Bank umgerechnet sieben Milliarden Euro. Und im Geldwäscheskandal in Russland einigte sich die Bank mit den Aufsichtsbehörden in New York und London auf einen Vergleich, der insgesamt rund 600 Millionen Euro schwer ist. Weitere große Fälle sind zwar noch offen. Die Bank geht nun aber davon aus, dass die Ausgaben für Altlasten den Höhepunkt erreicht haben. Die Rückstellungen für Skandale summierten sich zum Jahresende auf 7,6 Milliarden Euro – davon sind 4,7 Milliarden quasi schon ausgegeben.

Der Löwenanteil wird ins Investmentbanking gebucht, wo die dubiosen Geschäfte in der Vergangenheit auch stattgefunden haben. Deshalb wurde der Gewinn im wichtigen Handelsgeschäft im vergangenen Jahr fast ausradiert. Vor Steuern stand hier noch ein Plus von 16 Millionen Euro zu Buche, im Schlussquartal war es sogar ein Verlust von gut 700 Millionen Euro – obwohl die Märkte gerade zum Jahresende boomten, wovon etwa die großen Konkurrenten an der Wall Street profitierten. In der Unternehmensbank sowie im Privatkundengeschäft verbesserte sich das Ergebnis im Jahresvergleich. Die Vermögensverwaltung rutschte dagegen in die roten Zahlen.

Eine Milliarde weniger für Mitarbeiter

Auch die Mitarbeiter der Deutschen Bank bekommen den erneuten Jahresverlust zu spüren. Die Ausgaben für Gehälter und Boni sanken im vergangenen Jahr um 1,1 Milliarden auf 11,7 Milliarden Euro, teilte die Bank am Donnerstag mit. Der Rückgang sei vor allem auf rückläufige leistungsabhängige Zahlungen zurückzuführen. Bereits Mitte Jänner hatte die Bank erklärt, dass für 2016 neben dem Vorstand auch die übrige obere und mittlere Führungsebene auf Leistungszulagen verzichten muss.

Die Mitarbeiterzahl sank im vergangenen Jahr – trotz der Ankündigung eines großen Arbeitsplatzabbaus – nur leicht. Die Zahl der Vollzeitstellen ging um 1.360 auf 99.744 zurück. Die bereinigten Gesamtkosten fielen um 1,2 Milliarden auf 24,7 Milliarden Euro. Bis 2018 will Bankchef Cryan die Summe unter 22 Milliarden Euro drücken. (Reuters, 2.2.2017)

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