Ein Viertel unserer Heuschreckenarten ist bedroht

1. Februar 2017, 19:30
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Experte: "Es gibt zahlreiche Arten, die seit einigen Jahrzehnten nicht mehr gesichtet wurden –und kaum jemanden, der nach ihnen sucht"

Trier – Heuschrecken assoziiert man eher mit massenweisem Auftreten als mit Seltenheit. Der biologischen Wirklichkeit entspricht dies aber nur bedingt: Mehr als ein Viertel der knapp 1.100 Heuschreckenarten, die es in Europa gibt, sind nämlich bedroht. Zu dieser Bilanz kommt der Biogeograf Axel Hochkirch von der Universität Trier, unter dessen Leitung gut 150 Heuschrecken-Experten in den vergangenen zwei Jahren die Daten für die europäische Rote Liste erstellt haben.

foto: axel hochkirch
Ein Männchen der Adriatischen Sumpf-Beißschrecke (Zeuneriana marmorata).

Weltweit sind laut Hochkirch 27.500 Heuschreckenarten bekannt – tatsächlich dürften es aber vermutlich deutlich mehr sein. Von den 1.082 Heuschreckenarten, die in Europa vorkommen, müssen 25,7 Prozent als gefährdet eingestuft werden. Heuschrecken seien damit sogar die Insektengruppe mit der höchsten Gefährdung in Europa. Gründe dafür seien die Intensivierung der Landwirtschaft, eine steigende Zahl von Bränden im Mittelmeerraum und die touristische Nutzung von Küsten und Gebirgen, sagte Hochkirch. Viele Arten hätten ein Mini-Verbreitungsgebiet: Jede Veränderung der Landnutzung auf kleinen Flächen könne schnell zum Aussterben von Arten führen.

foto: axel hochkirch
Eine weibliche Crau-Schrecke (Prionotropis rhodanica).

Um über die Bestände der Heuschrecken mehr Wissen zusammenzutragen, forderte er ein europäisches Monitoring-Programm: "Es gibt zahlreiche Arten, die seit einigen Jahrzehnten nicht mehr gesichtet wurden – es gibt aber auch kaum jemanden, der nach ihnen sucht." sagte er. Um den Status der Heuschrecken zu verbessern, müssten zudem geeignete Lebensräume geschützt und wieder hergestellt werden. (APA, red, 1. 2. 2017)

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