Kostenexplosion bei Voestalpine: Die Schadensmaximierung

Kommentar1. Februar 2017, 17:48
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Der Umgang eines der größten Industriekonzerne mit negativen Entwicklungen und Schlagzeilen ist unverständlich

Corpus Christi mag für einen Weltkonzern wie die Voestalpine nicht vernachlässigbar sein wie die sprichwörtliche "quantité négligeable". Gemessen an Umsatz und Ergebnis des Stahl- und Verarbeitungskonzerns wären die massiven Kostensteigerungen bei der Errichtung des Eisenschwammwerks am Golf von Mexiko aber wohl niemandem aufgefallen. Denn einmal im Vollbetrieb, dürften die Kostenvorteile durch die Herstellung von Roheisenbriketts in den USA gegenüber Europa für den Konzern so deutlich ausfallen, dass sie höhere Errichtungskosten mehr als egalisieren. Versprochen sind – hauptsächlich aufgrund billigeren Schiefergases – pro Jahr 200 Millionen Euro.

Umso unverständlicher ist angesichts dieser bis zuletzt als Erfolgsgeschichte gepriesenen Entwicklung der Umgang eines der größten und wertvollsten Industriekonzerne mit negativen Entwicklungen und Schlagzeilen. Dabei gehen bei einer derart komplexen und technisch anspruchsvollen Produktionsanlage um eine halbe Milliarde Euro nicht einmal Fachleute davon aus, dass alles auf Euro und Cent kalkulierbar ist. Nicht jede Panne ist vorhersehbar, massive Überschwemmungen – das Prestigeprojekt steht direkt am Meer – schon gar nicht.

Dass Voest-Chef Wolfgang Eder Corpus Christi auch dann noch wie eine Monstranz vor sich hertrug und als den besseren Standort pries, als die Kostenexplosion nicht mehr zu leugnen gewesen ist, war zumindest: patschert. (Luise Ungerboeck, 1.2.2017)

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