Boom des Satellitengeschäfts: Wettlauf im Weltall

1. Februar 2017, 14:21
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Die Abschüsse ins All werden sich vervielfachen, da der Bedarf an Internetkapazitäten wächst. Die Europäer sind erstaunlicherweise Marktführer

Der Himmel hängt vielleicht voller Geigen, aber vor allem voller Satelliten. Laut einer Studie des Beratungsbüros Euroconsult werden bis 2025 mehr als 9.000 Satelliten ins Weltall befördert werden. Bei den meisten wird es sich zwar um Kleinkörper unter 500 Kilogramm handeln. Doch auch das Geschäft mit den herkömmlichen Satelliten, von denen in den vergangenen zehn Jahren 1.480 ausgesetzt wurden, dürfte laut Euroconsult um die Hälfte zulegen. Insgesamt sagt das Pariser Büro dem Satellitengeschäft bis 2025 einen Jahresumsatz von 27 Milliarden Euro voraus.

Für diesen Boom gibt es mehrere Gründe. Die Welt braucht mehr Klima- und Wettersatelliten, zudem bauen die Großmächte ihre Nachrichten- und Spionagetätigkeit aus. Vor allem aber wollen private Großprojekte wie Space X und Oneweb den Planeten lückenlos mit Internet abdecken, was viele hundert Minisatelliten bedingt.

"Ausschlaggebend war vor Jahren schon die Entscheidung der US-Weltraumbehörde Nasa, Dienstleistungen im All an private Anbieter zu vergeben", meint Rachel Villain von Euroconsult. Milliardäre wie Elon Musk (Space X) und Jeff Bezos (Amazon) sehen sich als die neuen Weltraumpioniere; aber auch angestammte US-Konzerne wie Boeing und Lockheed Martin wittern das große Geschäft. Die Russen, Japaner und Inder bauen ebenfalls Trägerraketen; die Chinesen haben darüber hinaus einen ersten Auftrag für den Bau eines – thailändischen – Telekomsatelliten eingeheimst.

Marktführer Europa

Die Europäer hinken der Entwicklung für einmal nicht hinterher – sie dominieren den Markt sogar dank der Ariane-Rakete. Die fünfte Generation ist so pünktlich und zuverlässig wie keine Konkurrentin, kommt sie doch auf mittlerweile 76 geglückte Starts in Folge. Dafür kann die Airbus- und Safran-Tochter Arianespace die höchsten Preise am Markt verlangen.

Am vergangenen Wochenende startete in Kourou der Telekomsatellit Hispasat, im weltweiten Satellitengeschäft ist damit eine wichtige Etappe erreicht. Hispasat beruht nämlich auf der revolutionären Smallgeo-Technologie, die es erlaubt, die Plattform des Satelliten in Serie herzustellen. Dieser vielfältig verwendbare Antrieb, auch "Satellitenbus" genannt, dient für Nutzlasten von bis zu 3,5 Tonnen.

Auch bei den aufkommenden Minisatelliten für das Highspeed-Internet ist Serienfertigung Trumpf. Der amerikanische Webpionier Greg Wyler hat mit dem deutschen Airbus-Chef Thomas Enders vergangenes Jahr ein Joint Venture gestartet, um die Bestandteile seines himmelsumspannenden Netzes Oneweb ins All zu schießen. In einer Fabrik in Cape Canaveral in Florida werden die 648 Kleinsatelliten am Fließband entstehen.

New Space

"New Space", wie die neue Raumfahrtära genannt wird, stellt die bisherigen Produktionsabläufe auf den Kopf: Während die europäischen oder amerikanischen Ingenieure bisher jeden Satelliten nach Maß zusammenbauten, werden die 150 Kilogramm schweren Oneweb-Satelliten an Roboterschienen entstehen.

Die ersten Oneweb-Satelliten sollen 2018 bereit sein. Zwei Jahre später wollen Space X und Google ihr eigenes Telekomnetz aus mehr als 4.400 Minisatelliten in Betrieb nehmen. Deren Lebenszeit wird allerdings nur fünf Jahre betragen, dreimal weniger als bei heutigen Satelliten. Das führt dazu, dass die Produktion bei Oneweb und Space X ständig weiterlaufen wird. Die ausrangierten Satelliten werden im "Friedhofsorbit" 300 Kilometer weiter im All deponiert.

Im irdischen Bereich wird die Arbeit trotz der Robotisierung der Branche nicht ausgehen. Der neue Chef der Raumfahrtsparte von Airbus, der Franzose Nicolas Chamussy, verspricht für 2017 tausend Neueinstellungen. Ein Teil davon entfällt auf den Bau der neuen Trägerrakete Ariane 6. Sie soll dank einer imposanten Nutzlast von 10,5 Tonnen mehrere schwere Satelliten transportieren und damit ihre Kundenpreise um 50 Prozent senken können. Ihr Bau beginnt noch in diesem Jahr, der Erstflug soll 2020 stattfinden. Damit die Europäer auch im "New Space" Marktleader bleiben. (Stefan Brändle aus Paris, 1.2.2017)

  • Am 21. Dezember 2016 startete die Ariane V vom europäischen Raumfahrtzentrum in Kourou in Französisch-Guayana mit zwei Satelliten an Bord: dem Star One und dem Sky Perfect JSAT.
    foto: afp/ jody amiet

    Am 21. Dezember 2016 startete die Ariane V vom europäischen Raumfahrtzentrum in Kourou in Französisch-Guayana mit zwei Satelliten an Bord: dem Star One und dem Sky Perfect JSAT.

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