Erpressungsprozess: Die drohende Tochter mit dem Baseballschläger

14. Februar 2017, 06:00
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Eine 18-Jährige soll von ihrer Mutter Geld gefordert haben – mit einem Baseballschläger in der Hand. Sie hat Glück, da ihre Familie schweigt

Wien – Man muss kein einschlägiger Therapeut sein, um zu erkennen, dass Familie E. nicht ganz konfliktfrei zusammenlebt. Das ist ganz offensichtlich der Hintergrund, warum Sara E. vor Richterin Daniela Zwangsleitner sitzt. Die 18-Jährige soll in Wien-Donaustadt ihre Mutter und ihren Bruder im Streit um Geld mit einem Baseballschläger bedroht haben und ist daher wegen versuchter Erpressung angeklagt.

Von der Richterin wird sie leicht resigniert mit "Wiedersehen macht keine Freude" begrüßt. E, hat, trotz ihrer Jugend, bereits zwei Vorstrafen. Im aktuellen Fall gibt sie im Sinne der Anklage zu, ihrem Bruder angedroht zu haben, seine Playstation zu zertrümmern. Dass sie aber auch der Mutter Gewalt in Aussicht gestellt habe, leugnet sie.

Geld von der Großmutter

Wobei sie für die Drohung gegen die Erzeugerin eigentlich Grund gehabt hätte. "Die Oma hat ihr 100 Euro für mich gegeben. Damit wollte ich Schulden bezahlen. Meine Mutter hat mir aber das Geld nicht gegeben, da sie dachte, dass ich mir irgendeinen Blödsinn kaufe!", erzählt sie empört Zwangsleitner.

Es kam zum Streit zwischen Mutter und Tochter. Aber erst als sich der über zwei Meter große Bruder einmischen wollte, habe sie das Sportgerät geholt. "Ich hatte Angst, dass er mich schlägt", beteuert sie. E. hat aber Glück: Die gesamte Familie entschlägt sich der Aussage, damit dürfen auch die Polizeiprotokolle nicht verlesen werden.

Die logische Folge: ein nicht rechtskräftiger Freispruch. Bevor Zwangsleitner diesen verkündet, ermahnt sie die Angeklagte noch: "Können Sie ganz kurz zum Nägelbeißen aufhören? Das sehe ich gar nicht gern." Die Angesprochene erfüllt ihr den Wunsch. "Sie können sich bei Ihrer Familie bedanken, Sie haben ganz großes Glück, dass die nicht ausgesagt haben. Bei Ihren Vorstrafen hätte das schlimm enden können", gibt ihr die Richterin schließlich mit auf den Weg. (Michael Möseneder, 14.2.2017)

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