Kanadas Regierung beschwerte sich über falschen Tweet zu Attentat

1. Februar 2017, 12:32
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US-Sender Fox News löschte Falschmeldung über marokkanischer Herkunft des Verdächtigen

Kanadas Regierung hat sich beim US-Fernsehsender Fox News über eine falsche Twitter-Botschaft zu dem Attentat auf eine Moschee in Quebec beschwert. Die Sprecherin von Premierminister Justin Trudeau, Kate Purchase, forderte den Sender am Dienstag (Ortszeit) auf, einen Tweet zu korrigieren oder zu löschen, in dem von einem Verdächtigen marokkanischer Herkunft die Rede gewesen war.

"Ehre der Opfer und Hinterbliebenen verletzt"

Der Verdächtige sei "ein 27-jähriger Frankokanadier", stellte Purchase klar. In einem Brief an Fox-News-Co-Chef Bill Shine, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag, beschwerte sich Purchase, dass die Falschinformation von Montagmittag bis Dienstag in dem Kurzbotschaftendienst gestanden habe, obwohl die Polizei den zweiten Verdächtigen längst wieder freigelassen habe. Der Tweet verletze die Ehre der Opfer und ihrer Hinterbliebenen und sorge mit der Fehlinformation für "Angst und Spaltung in unseren Gemeinden". Inzwischen löschte Fox News den Tweet.

Der 27-jährige Angreifer hatte am Sonntagabend das Feuer in einer Moschee in der Stadt Quebec eröffnet und sechs Menschen erschossen. Bei dem mutmaßlichen Täter handelte es sich um einen Politikstudenten der Universität Laval, der sich selbst der Polizei stellte. Er soll Sympathien für nationalistisches und rassistisches Gedankengut gezeigt haben, sein genaues Motiv ist aber noch unklar. Am Montag wurde ein Ermittlungsverfahren wegen sechsfachen Mordes gegen ihn eröffnet.

Gegen Trumps Einwanderungspolitik

Kanadas Premierminister hatte sich am Samstag demonstrativ von der Einwanderungspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump distanziert. Als Reaktion auf das von Trump verhängte Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder bekräftigte Trudeau den Willen seines Landes, weiterhin Flüchtlinge aufzunehmen – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. "Vielfalt ist unsere Stärke", bekräftigte der kanadische Regierungschef nach dem Anschlag in Quebec. (APA, 1.2.2017)

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